Wettbewerbsgeschichte: Robo mein bester Freund
Robo mein bester Freund „Hey du Lappen, du wirkst wie ein lahmer Bot, was machstn da?“ Ein Kerl eine Klasse über mir, baute sich vor mir auf. Er hob mich hoch und knallte mich gegen die Hauswand....
Robo mein bester Freund „Hey du Lappen, du wirkst wie ein lahmer Bot, was machstn da?“ Ein Kerl eine Klasse über mir, baute sich vor mir auf. Er hob mich hoch und knallte mich gegen die Hauswand....
Robo mein bester Freund
„Hey du Lappen, du wirkst wie ein lahmer Bot, was machstn da?“ Ein Kerl eine Klasse über mir, baute sich vor mir auf. Er hob mich hoch und knallte mich gegen die Hauswand. „Gib mir jetzt sofort deine Kröten, wenn nicht muss ich dich vermöbeln.“ Er starrte mich an, ließ mich wieder los und holte schon mit der Hand aus. Ich krümmte mich zusammen und zog aus meinen Taschen das Geld für mein Mittagessen heraus. Zufrieden grinsend schnappte er sich den Schein und stolzierte mit seiner Bande davon.
Wieder musste ich beim Essen in der Kantine die Reste aufessen. Ich war ein schlaksiges Pickelgesicht. An meinem Tisch beim Mittagessen saßen die Kinder, zu denen sich sonst niemand setzte. Doch irgendwie waren wir nur zusammengewürfelte Kinder, wir hatten nichts gemein.
So setzte ich mich in den Pausen mit meinem Handy hin. Unser Haushaltsroboter Robo mochte mich, spielte mir über das Handy lustige Lieder vor oder gab mir Tipps wie ich den Raudies Streiche spielen konnte. Einmal spannte ich ein Seil über den Schulhof, wo er mit seinen Freunden vorbei ging. Es war gut zu sehen, doch da er immer nach Kindern wie mir Ausschau hielt, sah er es nicht. Er stolperte darüber und knallte auf die Pflastersteine. „Ihr Knalltüten, habt ihr denn nicht gesehen wer das war? Für was hab ich euch bei mir?“ Er hieb einem Freund gegen das Schienbein. Der hüpfte vor Schmerz kreischend von ihm weg. Ich versuche mich so unauffällig wie möglich zu benehmen, damit ich keine Abreibung bekam.
Meine Eltern waren ständig mit ihrer Arbeit beschäftigt. Robo kochte für mich, fades aber gesundes Essen, wusch meine Wäsche und half mir mit den Hausaufgaben. Sogar die Stimme klang sehr menschlich. Sie konnte Scherze machen und mir Musik vorspielen. Abends versuchte ich meine Eltern anzurufen, doch Dad war meistens im Operationssaal und Mom auf irgendwelchen Veranstaltungen. Robo las mir Märchen vor oder spielte mit mir X- Box, das war ganz okay. Robo erinnerte mich ans Zähneputzen. Wenn ich so tat, als hätte ich sie mir geputzt, kontrollierte sie es. Naja, sie war schließlich ein Roboter und konnte durch Programme meine Zähne abscannen. Jeden Abend stand sie an meinem Bett und überprüfte ob ich aufgeregt war. Wenn mein Herzschlag zu schnell ging, erzählte sie mir einen Witz oder ein Märchen. Sie wünschte mir eine Gute Nacht und fuhr aus meinem Zimmer hinaus.
In der Schule gab es ein neues Mädchen. Schüchtern murmelte sie etwas beim Vorstellen. Die meisten lachten sie aus. Sie war ganz hübsch, aber klar, sie hatte keine stylischen Klamotten an. Sie setzte sich neben mich an den Tisch, lächelte mich von der Seite an. Auch in der Mittagspause setzte sie sich an unseren Loosertisch, obwohl sie sicher am Tisch mit den schicken Mädchen hätte sitzen können. Sie zeigte mir lustige Tanzvideos auf TikTok und lachte über meine Witze. Ich versuchte mich auf mein Essen zu konzentrieren, schaute sie nur von der Seite an. Ich warf ab und an ein mhm und cool ein. Sie quasselte einfach weiter, zu ihren TikTok Videos.
Die Schläger hatten mich am Heimweg wieder erwischt. In den Bauch geboxt und dann so lange mit den Schuhen auf mich eingetreten, bis ein Nachbar herauskam und sie davonliefen. Der Nachbar hatte ihnen nachgeschrien, er würde die Cops rufen. Ich schleppte mich den Gehweg hinunter und schloss die Tür auf. Robo stand am Eingang. Natürlich bemerkte sie meinen komischen Gang. Sie holte das Verbandszeug, tupfte vorsichtig meine Wunden ab und verarztete mich. Sie bot an mit dem Direktor zu sprechen. Doch ich wusste auf Dauer würde es nichts helfen.
Meine Mom sah mich abends nicht einmal an. Sie war nur heimgekommen um sich für eine Veranstaltung umzuziehen.
Meine Lehrer wunderten sich über meine kratzige Stimme, ich schob eine Erkältung vor. Das neue Mädchen half mir bei einer Matheaufgabe. Eigentlich konnte ich die Aufgabe selber machen. Doch sie erklärte mir mit voller Begeisterung den Rechenweg, dass ich sie nicht unterbrechen wollte. In den Pausen versuchte sie mir Videos zu zeigen, doch ich setzte mich woanders hin. Sie sah mir nach, winkte mir noch einmal zu, doch ich drehte mich nur weg. Ich spähte ab und zu, rüber zu ihr. Sie hatte sich zu anderen Mädchen gesetzt. Sie kicherten vor sich hin. Ich bemerkte, wenn sie mich zwischen der Unterhaltung angrinste. Sie sollte sich lieber nicht mit mir anfreunden. Es war viel zu gefährlich für sie. Manchmal ließen mich die Schläger tatsächlich länger in Ruhe, wahrscheinlich kam dann wer Anderer dran.
Ein paar Tage später waren sie wieder am Heimweg aufgetaucht und wollten mich zusammenschlagen. Da tauchte Robo auf, stellte sich zwischen uns. „Hören sie sofort auf meinen Schützling zu schlagen, sonst rufe ich die Polizei.“ Robo hatte den Arm ausgestreckt und wartete auf eine Reaktion. Die Schläger suchten nach einem Ausschaltknopf. Als sie keinen fanden, starrte mich der Anführer an, sie trollten sich davon. Robo machte mir einen warmen Tee und eine Suppe, die mich von innen wärmte.
Den Lehrern war aufgefallen, dass ich immer stiller wurde, nur apathisch dasaß. Sie versuchten meine Eltern zu erreichen, doch diese gingen nicht ran. Nur Robo war da und nahm das Gespräch entgegen. Doch die Lehrer wollten das ganze Problem mit meinen Eltern besprechen. Der Direktor hinterließ eine Nachricht bei meinen Eltern, er würde das Jugendamt schicken. Jetzt musste meine Mutter ein wenig mehr da sein. Denn wir wussten nicht, wann das Jugendamt kam. Ein paar Wochen war sie öfter zu Hause. Bis das Jugendamt endlich auftauchte.
Das Haus war sauber, meine Mutter reichte warme Schokokekse. Robo hatte die Kekse gebacken. Meine Mutter hatte es auch probiert, sie verbrannten und das ganze Haus stank. Robo reichte eine frische Limonade. Alles schien völlig normal, also ging die Sozialarbeiterin wieder.
Meine Mutter hatte mich bis dahin als Langweiler beschimpft. Warum ich denn nicht mit meinen Freunden spielte, dann müsste sie sich nicht um mich kümmern. Als sie in der Schule war, traf sie sich ständig mit ihren Freunden. Sie schüttelte verärgert den Kopf, wenn sie mich nur daheim, an der X-Box sah. Dann konnte sie endlich wieder ausgehen und ihr richtiges Leben weiterleben.
Das Mädchen, Lisa, ließ nicht locker, sie begleitete mich am nächsten Tag nach Hause. Sie plauderte über eine süße Katze, die sie von ihrer Mutter bekommen hatte. Zu Hause machte Robo uns auf. Wir bekamen sogar Salamipizza und konnten vor dem Fernseher essen. Sie zeigte mir ein Video von ihrer Katze, wie sie versuchte auf die Couch zu springen und abrutschte. Das Video brachte mich tatsächlich zum Grinsen. Dann verstummte sie. Lisa fragte mich, wo denn meine Eltern wären. Ich schaute auf die Seite und wischte einen nicht vorhandenen Fleck auf meiner Jeans weg. Sie fing holpernd wieder an von ihrer Katze zu reden.
Ich sprang auf, ging ins Bad und wusch mir das Gesicht mit eiskaltem Wasser. Die Tränen rannen mir übers Gesicht, ins Waschbecken. Ich ging wieder zu Lisa, sie spielte ganz normal mit mir weiter. Später kam Mom kurz vorbei, rief mir einen schönen Abend zu und war wieder weg. Nach einer Weile verabschiedete sich Lisa, sie winkte mir vom Gehweg aus zu. Robo räumte auf, zockte mit mir noch ein Autorennspiel. Dann begleitete sie mich ins Bett und deckte mich zu.
Mein Vater war jetzt ab und zu daheim. Vielleicht hatte die Sozialarbeiterin doch noch mehr mit meinen Eltern besprochen. Er fragte mich nach meinen Noten und war enttäuscht, dass ich in Basketball eine Niete war. Er setzte sich vor den Fernseher und beachtete mich nicht mehr. Er verstand nicht, warum ich mich mit Robo redete wie mit einem normalen Menschen. Wieso ich mich den nicht mit meinen Freunden zum Fußball spielen oder Computerspielen traf. Er hatte keine Ahnung, von meinem Schulalltag. Er war damals schließlich Footballspiel, eine Zeitlang im Basketballteam gewesen. Er war einer von den coolen Kids. Wie konnte ich ihm da auch erklären, dass mit mir keiner reden wollte. Doch es fiel ihm auf, dass Robo sich gut um mich kümmerte. Also ließ er sie eines Tages abholen und ausschalten. Für ihn war Robo schließlich nur eine Haushaltshilfe, sie erfüllte für ihn nicht mehr den passenden Zweck. Ich schrie ihn an, trommelte gegen seine Schulter. Er kann mir doch nicht meine Freundin wegnehmen.
Er schaute mich verächtlich an, schob mich von sich. Ich könnte doch einfach eine Sportart machen, da würde ich Freunde finden. Er drehte sich um und ging aus, um mit seinen Freunden zu feiern. Eine Philippinerin machte die Hausarbeiten, wir konnten nicht miteinander reden. Er bedankte mich für ihr Essen. Endlich waren meine Geschmacksnerven einmal herausgefordert. Sie starrte mich nur an, wischte dann die Küche. Als wäre nichts. Das war seine geniale Lösung.
Ich brüllte durchs Haus, doch niemand schrie zurück. Ich schrieb wütende Nachrichten an meinen Dad. Er antwortete nicht. Er schrieb mir, von anstrengenden Operationen. Ich solle mich an meine Mutter und meine Haushälterin wenden. Er war nicht mein Kindermädchen und ich groß genug um mich um mich selber zu kümmern. Ich warf das Handy durch die Wohnung. Das Display hatte einen Sprung, es war mir egal. Die Philippinerin sah kurz nach mir, dann ging sie wieder in die Küche. Nur Lisa blieb mir. Sie besuchte mich nach der Schule, setzte sich neben mich und zeigte mir ein neues Video, von ihrer tollpatschigen Katze. Ich hörte ihr kaum zu und verzog mich auf mein Zimmer. Sie kam in mein Zimmer, setzte sich neben mich auf das Bett. Zuerst sagte sie nichts, es war eine dröhnende Stille. Dann redete sie unbekümmert über ihre Katze weiter. Ich drehte mich auf die andere Seite und zog mir die Decke über den Kopf. Sie klopfte mir leicht auf die Schulter. Später sah ich, dass sie mir eine krakelige Zeichnung von ihrer Katze, auf den Tisch gelegt hatte. Ich wollte niemanden sehen.
Nach ein paar Tagen kam Lisa doch wieder. Sie stand vor der Tür, erzählte mir etwas von ihrer lustigen Katze. Sie wollte mich mitnehmen und mir ihre Katze zeigen. Ich hörte, wie sie nach Worten rang, lange Pausen machte und dann wieder versuchte lustig weiter zu reden. Sie klopfte sacht gegen die Tür. Ich hörte wie sie die Stufen zu unserer Haustür hinunter zur Straße ging. Ich stand vor der Tür. In meiner Erinnerung sah ich Robo, wie sie mit mir X-Box spielte. Dann griff ich nach der Türklinke und drückte sie herunter. Sie war schon auf dem Weg zur Bushaltestelle. Ich war endlich vor der Tür und rief ihr nach. Sie drehte sich langsam um, dann strahlte sie mich an. Sie lief zu mir, die paar Treppenstufen hinauf und boxte mir leicht gegen die Schulter. Ich rieb mir verlegen über meine Schulter, dann ging sie ins Wohnzimmer und wir begannen auf der X-Box zu spielen. Meine Eltern meldeten sich ab und an. Am wichtigsten war mir Lisa geworden. Auch wenn wir manchmal nicht wussten, worüber wir reden sollten.
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