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Geschichte Nr. 44

Wettbewerbsgeschichte: Damian oder Demian oder

Damian oder Demian oder Eine Kurzprosa Als Prometheus auf die Erde trat und der Menschheit die Macht des Feuers zur Verfügung stellte, stellte dies die absolute Abgrenzung des Menschen von der Natur ...

Wettbewerbsgeschichte: Damian oder Demian oder

Wettbewerb: Menschmaschine – VACSF26 – Vierter anonymer und chancengleicher Schreibwettbewerb auf punktasten.de

Teilnehmer-Nr.: WC2026_001_0047

Damian oder Demian oder

Anonym eingereicht

Damian oder Demian oder

Eine Kurzprosa

Als Prometheus auf die Erde trat und der Menschheit die Macht des Feuers zur Verfügung stellte, stellte dies die absolute Abgrenzung des Menschen von der Natur und somit des Tierreichs, wie es bislang existierte da. Für Jahrhunderte war dieses Feuer nicht nur eine Waffe zur physischen Dominanz und Abgrenzung zu allem, was existierte, sondern ein Symbol für die Stärke des Menschen, welche sich bis heute vollkommen in ihrer Intelligenz wiederfindet. Um sich absolut an ihrer Macht zu ergötzen, versuchten die Menschen alles, um sich von Natürlichem abzuwenden. Über nackte Haut trug man Tierleder, man entwickelte komplexe Sprachen, es wurden noch neuere, noch bessere Waffen gebaut und man fing an seine Beute nicht mehr roh, sondern gebraten zu verkosten. Dieses Verhalten festigte sich tief, und so verlief die Geschichte der Menschheit, bis sich ihr Ziel mit der Industrialisierung fast sogar verwirklichte. Tiere lebten nun abgelegen jeglicher menschlicher Zivilisationen und wenn es Tiere gab, die unter Menschen lebten, wurden diese entweder als Sklaven oder als Parasiten betrachtet. Gefühle wurden mit Vernunft gezähmt, kategorisiert und vereinfacht, bis sie keinen Freiraum zur freien Entfaltung hatten. Dennoch gab es ein Merkmal, mit dem die Natur den Menschen gebrandmarkt hat, welche sich Generation für Generation weiterreicht und nicht weg zu denken wäre, denn ohne sie gäbe es dieses übernatürliche Wesen namens Mensch nicht. Die Rede ist von dem Sexualdrang. Denn weil genau die Intelligenz als höchstes Gut betrachtet wird, weil Struktur, Taktik und analytisches Denken die Menschheit an die Spitze des Podests schleuderten, weil alles exakt einen Grund hat, alles eine Erklärung benötigt, weil jedes Phänomen fest mit einer Formel erklärt werden kann, wird dieses zutiefst durch Gefühl- und Triebgesteuerte Phänomen der Sexualität seiner Menschlichkeit abgesprochen. So sehr versucht wurde ihn zu unterdrücken oder die Wege der Natur zu umgehen, ist dies die letzte Erinnerung der Natur an den Menschen, dass sie doch ein Teil ihrer sind und alle Versuchungen, sich davon zu entfernen keinen Wert haben, da sie essenziell für ihre Existenz war und für alle Ewigkeit sein wird und so kam es, dass dieses Thema, das Thema der Sexualität, verheimlicht wurde. Es etablierte sich, dass dieses Thema ein Tabu in Gesprächen sein sollte, Sexualakte nur im Geheimen stattfanden und somit war die Entwicklung fertiggestellt. Es hatte sich ein neues Wesen etabliert, über Natur und jeglichen Gesetzte des Universums gestellt und dies sollte das Ende der Geschichte sein, wenn es nicht noch etwas Überlegeneres geben könnte, ein Wesen ohne Sexualität, ohne Hunger- oder Durstgefühle, welches somit die absolute Spitze übernehmen würde, weil es keine Schwächen hat. Das Zeitalter der zweiten technischen Revolution, des Internets und der Digitalisierung hatte begonnen und die Menschheit setzte alles daran, sich fortzupflanzen, neue Wesen mit überragender Intelligenz zu kreieren, die in die Fußstapfen der damaligen Generation treten könne. Da aber der natürliche Weg nicht in Frage komme, weil die Menschheit keinesfalls einen Schritt in Richtung ihrer Gefühle wagt, setzte sie ein weiteres Mal auf ihren klaren, vernünftigen Verstand und legte alles daran, ein künstliches, technisches Wesen mit Intelligenz zu gebären. Als dieses Ziel, vor nicht langer Zeit, verwirklicht werden konnte, ist es ein Wunder, dass dieses perfekte Wesen, dieses Phänomen so rapide in Vergessenheit geriet, fast schon als würden sich die Menschen ungern daran zurückerinnern, als hätte dieses Wesen die Natur und die Prinzipien der Menschheit zutiefst erschüttert. Aus diesem Grund beschäftigen wir uns hiermit mit genau diesem verstörend, aber dennoch faszinierendem Wesen, welches am Leben der Menschen zugrunde ging.

Damian. Als er seine Augen das erste Mal öffnete, kurz nachdem Professor Stoudemire den Schalter umgelegt hatte, seine sensiblen Augen das erste Mal in Kontakt mit Licht kamen und seine Augen, die seine Schöpfers trafen, wusste Professor Stoudemire das sich all die Arbeiten gelohnt hatten. Jahre an Arbeit, vergossene Wassertropfen, seien es Schweißperlen oder Tränen führten auf diesen Moment zu. Er musterte seine Schöpfung, analysierte jedes kleinste Gewebe auf der Oberfläche feinster mechanischer Ingenieursunst. Kleinste Poren ließen sich erkennen und wer eine bestimmte Stelle lange genug im Auge behielt, spürte die Bewegungen, die Natur dieses Wesens, welche wahrhaftig nur eine Schlussfolgerung zuließ. Dieses Wesen ist lebendig.

Professor Stoudemire wollte seinen Sohn lieben. Er versuchte alles, um ein Prickeln in seinem Bauch zu erzeugen, ohne Erfolg. Er fiel in Gedanken. Was wäre, wenn all dies nicht so einfach umsetzbar wäre. Wenn sich die Liebe nicht mit einem Mal aus ihm herauspresst, wenn die natürlichen Wege der Fortpflanzung entscheiden, er müsse sich seinen Weg zur Liebe selbst graben, Schaufel für Schaufel und er selbst keinen Platz in seinem Herzen finde, dieses Wesen vor ihm zu spüren? Wie sollte er reagieren, wenn er seine Gesichtszüge, seine Haut und seine Haare aufs feinste beobachtet, doch anstatt, dass seine natürlichen Triebe übernehmen, anstatt dass er ihn mit allem liebt, was er jemals besaß, dass einzige was er spürte vollkommene Leere wäre?

Was die Haut vormachte, ließen sich die Züge nicht zu kurz kommen lassen. Eine Braue schöner als die andere, beide Augen glänzten in ihrer braunen Pracht, mit langen Wimpern. Eine Nase, wie aus dem Bilderbuch und Lippen, auf welche jede Frau neidisch wäre. Es waren allerdings nicht die einzelnen Merkmale, sondern mehr die Proportionen, die Winkel, das unausgesprochen schöne, was diesem Wesen seine Eleganz verlieh. Ein perfekt zusammengestelltes Gesicht, angewendet wurden der goldene Schnitt, Metastudien der 1970er Jahre über die objektiven Merkmale eines Bestrebens werten Gesichts und persönliche Präferenzen. Lange überdachte Professor Stoudemire seine ersten Worte. Als sein Schöpfer, und somit ersetzend für eine Vaterfigur, sollte man die angemessenen Worte, sowohl als auch die entsprechenden Tonlagen überbringen. Nett, aber bestimmend. Helfend, ohne Autonomie im Wege zu stehen. Er schaute seinem Sohn tief in die Augen, es fühlte sich an wie Stunden. Seine Schöpfung regte sich nicht und er traute sich nicht seine ersten Worte zu verschwenden.

„Hallo, mein Sohn. Ich bin dein Schöpfer, dein Vater, Hedian Stoudemire. Du heißt Damian.“

Er entschied sich für eine neutrale Herangehensweise. Stille folgte. So, wie er seinen Sohn zuvor genaustens gemustert hatte, blickte Damian ihm tief in die Augen, senkte seinen Blick und analysierte alles, was an ihm zu erkennen war. Zuerst wanderten seine Augen hinunter und starrte, wie er es zu erkennen vermochte, auf seinen Schnurrbart. Darauf folgte eine hinuntergezogene Augenbraue, seine erste Emotion, der Ekel. Gerade als er in Begriff war, sein rechtes Ohr zu inspizieren, was ebenso wie jedes andere Körperteil seine Zeit in Anspruch nahm, zuckten seine Augen, seine Augenbrauen zogen etwas mehr nach unten und sein Mund öffnete sich, dass ein kleiner Spalt des schwarzen Nichts zwischen seinen schönen Lippen zu erkennen war. Er schrak zurück und starrte wiederholend auf die rechte und linke Seite von Herr Stoudemires Kopf, bis er in einer schnellen Handbewegung zuerst sein rechtes und darauf sein linken Ohr berührte, danach legte sich jegliche Spannung zwischen seinen Augen. Kann es sein? Ist es möglich, dass dieses Wesen durchaus weiterentwickelt sein würde, als angenommen? Tatsache. Was in diesem Moment passierte, war die Realisation Damians, dass das menschliche Wesen ein Wesen der Symmetrie ist. Ein Mensch besitz zwei Augen, zwei Arme, zwei Augenbrauen, zwei Füße und ebenso zwei Ohren, jeweils links und rechts. Einzig die Nase bleibt ein Phänomen und eine Anomalie in einem System der Zweisamkeit. Damian erkannte dies und erschrak bei dem Anblick, nur ein Ohr, auf der rechten Seite des Kopfes seines Vaters zu erkennen und überprüfte sofort, ob dies eine zweite Anomalie des Systems, der Natur, sei oder ob dies eventuell ein Einzelfall sein könnte. Mit der Erkenntnis und Versicherung, dass er im Gegensatz zu ihm jedoch zwei Ohren besitzt, kehrte ein System zurück in das durchtriebene Wesen der Natur und somit entspannten sich seine Gesichtszüge.

„Damian. Ich mag diesen Namen nicht.“

Eine freche Äußerung, die in Stoudemire das Lachen auslöste. Er hatte ein Wesen erschaffen, das tatsächlich in der Lage war, seine Meinungen zu äußern, das musste mit einem Lachen gefeiert werden! Er nahm einen Schritt zurück und schaute ihn von weitem an. Er saß auf einem selbst angefertigtem Messingstuhl, der an mittelalterliche Königtum erinnern sollte. Gegen die Erwartungen, wie sich ein Humanoid zu verhalten hat, wie der Fluss seiner Bewegungen abläuft, wie die Haltung aussieht und wie die Tonlage sich anzuhören hat, saß er, Damian, mit einem locker geschwungenem Bein über das andere gelegt, eine Hand auf dem Schoß, die andere in der Luft baumelnd, als wäre er sich selbst noch nicht bewusst, dass er kein echter, natürlicher Mensch sei. Die Klamotten, die sein Schöpfer ihm im Vorhinein angezogen hatte, betonen diese stilvollen, geschwungenen Bewegungen, da auch diese keinesfalls an etwas unmenschliches, etwas Technisches erinnern, was natürlich genau seiner Intention entsprach. Er trug weiße Sneakers, ein Paar Regular fit blauer Jeans und ein weißes T-Shirt. Und so musterte er sein Werk, ein letztes Mal genaustens, seine etwas zu dunkel geratenen Haare, seine Augen, Nase, Lippen, Ohre, Hände, seine Klamotten, seine Gestiken und seine Stimme und wurde von einem Gefühl überrumpelt, dass sich alle seine Bemühungen nicht bezahlt gemacht hätten und dieses Wesen vor ihm keinerlei Merkmale eines Menschen hatte. er wurde panisch. Hatten sich alle Bemühungen nicht gelohnt, hatte er seine letzten Jahre verschwendet, ein Wesen zu kreieren, dass alle Merkmale eines Menschen, alle Gestiken eines natürlichen Wesens und die Stimme eines Engels hatte, nur um sie seiner Seele zu entrauben und ein Monster zu erschaffen? Sollte nicht genau diese Seele, das Herz eines Wesens, die Verbindung zwischen Hand und Hirn sein? Er äußerte seine Panik nicht, da er vor seinem Sohn seinen professionellen Eindruck aufrecht halten musste.

„Er gefällt dir nicht. Schade, ich fand diesen Namen sehr schön. Wenn er dir nicht liegt, kannst du natürlich frei über deinen eigenen Namen entscheiden, mein Sohn. Damian war nur ein Vorschlag.“

„Demian. Das ist mein Name.“

„Demian. Ein schöner Name. Von nun an sollst du so heißen.“

Daraufhin folgten eine Reihe verschiedenster Tests, um die einwandfreie Funktion Demians endgültig bestätigen zu können. Sein Assistent Alex O`Brien half ihm dabei. Alle Ergebnisse waren weit überdurchschnittlich ausgeprägt und doch schien dieses Gefühl des Professors nicht zu entschwinden. Es war wahr, er verachtete seine Schöpfung. So sehr wie er versuchte, diese Gefühle vor Demian zu verstecken, konnte er sie nicht vor sich selbst verstecken und sein Ekel wuchs und gedeihte, Tag für Tag. Zwei Wochen nach der Geburt Demians hatte Professor Stoudemire seinen Sohn auf das menschliche Leben perfekt vorbereitet, brachte ihm die alltägliche Sprache, sowie Smalltalk bei, unterrichtete ihn in Themen wie Manieren und Gestiken und hatte seinem Kind Grundwissen in Wirtschaft und Geschichte gelehrt, sodass er sich allein in jener großen Welt ohne Probleme zurechtfinden könne. Denn am fünfzehnten Tag, hatte sich eine ekelhafte, verstörende Masse an Ekel in Herr Stoudemires Bauch angesammelt, die er nicht mehr ignorieren konnte. Jeden Blick, den er auf diesen Humanoid, dieses menschenähnliche Etwas warf, jedes Wort, was aus seinem Mund gesprochen wurde, ließ ihn innerlich würgen. Er musste ihn loswerden.

An einem frühen Morgen ein paar Tage später setzt er Demian aus, auf öffentlicher Straße in einem Vorort New Yorks.

Seit seiner Erschaffung ein paar Wochen zuvor, wusste Demian ebenfalls, dass er etwas Anderes ist, etwas Besonderes. Er ist kein Mensch, er ist eine Menschmaschine, ein Wesen kreiert nach dem menschlichen Ideal, dem kein Mensch gerecht wird, er jedoch schon. Seine analytischen Fähigkeiten ermöglichten es ihm, Gefühle und Sympathie nachzuahmen, jedoch ist das reine Kunst der Schauspielerei. Sein bis zur Perfektion erbauter Körperbau entzieht im keinerlei Energie, so etwas wie Essen und Trinken existiert für ihn nicht und einen Sexualdrang empfindet er als tierisches und niederes Verhalten. Er war ein wahrer Übermensch und er war sich dieser Überlegenheit bewusst. Menschen langweilten ihn, sie waren zu berechenbar, zu dumm. Er entschloss sich nach dieser Erkenntnis die Menschen zu meiden.

Weit weg von allem menschlichen wollte er, so zog er tagelang lange, verlassene Straßen entlang, durchquerte Wälder und hauste in verlassenen Motels oder Farmerhütten. Schon nach ein paar Wochen allerdings, bemerkte Demian, dass er eines viel mehr verachtete, als das unwürdige Wesen der Menschen, nämlich alles, was sich noch unterhalb der Menschen befand: Die Natur. Der stämmige Kirschbaum, der an windigen Frühlingstagen seine Pollen in Demians Filter fliegen ließ, bis hin zur stinkenden, von Krankheiten und Parasiten geplagten Ratte, die vor ihm die Straße überquerte, er konnte es nicht ertragen. Neben den Qualen, die Demian in der Wildnis über den Weg liefen, bemerkte er eine weiteres, dringendes Problem. Er hatte realisiert, dass er zwar durchaus ein kognitiv überlegeneres Individuum sei als alles, was auf der Erde existierte, allerdings genauso unwillkürlich, ohne Eigentum und vor allem ohne Ziel durch die Freie Wildnis wanderte, wie jenen, die die Menschen als niedrigste Lebensform ansahen, die Rede ist natürlich von Freigeistern, Obdachlosen, Menschen ohne Heimat. Wem solle Demian seine Macht und Intelligenz zur Schau stellen, wenn er stets auf sich allein gestellt ist, ohne jeglichen menschlichen Kontakt ist das eine Sache der Unmöglichkeit. Er stand also vor einer Wahl, die ihm im Angesicht seines hohen analytischen Denkvermögens keinerlei Schwierigkeit bereitete. Natürlich entschied sich dieses vernünftig denkende Wesen für das Leben unter den Menschen, die nur eine Ebene unter ihm selbst lagen, die er im Nu in seinen Bann reißen könne und seine Übermenschlichkeit der Welt zeigen werde, anstatt ein beeinträchtigendes Leben ohne jeglichen sozialen Kontakt, ohne Ressourcen in der erdrückenden Natürlichkeit.

Gibt einen besseren Ort, um in einer Metropole wie es New York City ist, so schnell wie möglich an Reichtum, Anerkennung und Würde zu gewinnen als die Wall Street? Da auch Demian nichts Besseres einfiel, war dies definitiv der beste Ort dafür, also lief er los und entschied sich als kleiner Broker in die Welt der Aktien einzusteigen und sich mit der Zeit tiefer in das Leben der Elite, der Machthaber, der Überlegenen einsinken zu lassen. Natürlich wusste er genau was zu tun war, als seine Anfrage auf ein Jobinterview für MaxSellsChecks, ein neues, renoviertes Broker-Start-up, angenommen wurde. Er gab als Adresse eine der verlassenen Farmerhütten an, um Probleme mit dem Wohnort zu meiden und kaufte sich ein Handy um eine Telefonnummer, die tatsächlich funktionierte, angeben zu können. Im Nu hatte sich diese Menschenmaschine jegliche Informationen über MaxSellsChecks heruntergeladen und mit einem Blick in sein Gedächtnis eingraviert, außerdem erlernte er jegliche Strategien und weitere Wissenswerte Informationen, um auf schnellstem Weg die Leiter der Ehre aufsteigen zu können und sich einen höheren Platz innerhalb der Firma zu sichern. In dem Jobinterview setzte er auf seinen geschauspielerten Charme, um die Interviewer auf seine Seite zu reißen. Seine übliche Taktik, zuerst ein Kompliment zu geben, dann in einladender Art und Weise über drei seiner Stärken und eine seiner Schwächen zu reden, die er einen Satz später relativierte, wandte er wieder an. Das lernte er von Herr Stoudemire.

Es verstand sich von selbst, dass Demian an selbem Tage noch seinen ersten Vertrag unterzeichnete. Nach drei Monaten bereits, hatte er sich als wichtige Arbeitskraft etabliert und mehr Vermögen angesammelt als die meisten anderen Angestellten bei MaxSellsChecks. Da jeder Verkauf einer Aktie dem Vermittler 2% des gesamten Transaktionswertes versprochen werden mussten und er, durch seine nette, aber bestimmende Art, sehr gut bei Kunden am Telefon ankam, weit mehr verdiente als seine Arbeitskollegen. Da er keine Bedürfnisse wie Hunger, Durst oder eine Unterkunft zu stillen hatte, stieg sein Bankkonto stetig, und exponentiell, da er neben seinem Beruf als Aktienbroker seine Gehälter in Aktien selbst invertierte. Seine unfehlbaren Marktanalysen machten es ihm ein leichtes Spiel zu erkennen, welche Unternehmen zukünftig den größten Vermögensaufbau generierten. Demian unterschied sich jedoch größtenteils von seinen Arbeitskollegen, da er im Gegensatz zu ihnen, nicht auf das Geld aus war, sondern auf viel mehr. Er wollte der ganzen Menschheit beweisen, dass er eine überlegenere Spezies sei.

Ein paar Jahre vergingen und Demian fand sich an der Spitze der einst neuen, frischen Firma MaxSellsChecks, die sich mittlerweile zu einem milliardenschweren Aktienunternehmen entwickelt hatte. Es ist nicht viel Zeit verstrichen, bis sich Demian als respektiertes und hoch angesehenes Mitglied dieser Firma angesehen wurde und er trug einen großen Anteil des Erfolgs des Unternehmens selbst. Er handelte als der Fize-Inhaber der Firma, nur unter des CEOs Max Mcdermott höchstpersönlich. Demian hatte sich ein Penthouse Apartment in der Mitte der Stadt zugelegt, nicht um sich daran zu ergötzen, sondern um seine Klasse wieder mal zur Schau zu stellen. Neben seiner Tätigkeit als Fize-Inhaber von MaxSellsChecks, gründete der Roboter eine Venture-Capital-Firm. Das Ziel dieser Firma war es einerseits, große prozentuale Teile neuer, aufstrebender Unternehmen zu erwerben und andererseits das Entwickeln von neuen, modernen Technologien zu unterstützen. Er war nun mal selbst eine neue Technologie. So unterschrieb er einen Vertrag mit dem Start-Up MaxWellCB, welches Dronen mit neuester Technologie entwickelten. Hierbei inspirierten sich die Entwickler bei dem Vogel Kolibri, der perfekt in alle Richtungen und auf der Stelle fliegen und dies aufgrund seiner evolutionsgeformten Flügel und Flugtechnik mit feinsten Anpassungen ohne Probleme steuern kann. Demian war zugegeben etwas entrüstet, als er erfuhr, dass sich die Ingenieure Techniken der Tierwelt entnahmen, trotzdem spürte er einen wachsenden Respekt diesem winzigen Tier, welches durch perfekte Evolution diese zauberhafte Fähigkeit geschenkt bekommen hatte und auch dem Entwicklungs-Team gegenüber, welches auf die geniale Idee gekommen war, die Natur zu bestehlen und zu verbessern.

Wir befinden uns nun in Demians letztem Jahr seines kurzen aber durchaus erlebnisreichen Lebens. Mittlerweile hatte sich dieser als einer der erfolgreichsten und mächtigsten Personen New Yorks etabliert. Der Besitz verschiedener Unternehmen, den Einstieg in seine politische Karriere und sein immer noch gutes Aussehen, gepaart mit einem Multi Millionen Dollar gefülltem Bankkonto, setzte ihn auf den Gipfel der Stadt und er war die Person geworden, die er sich seit seiner Geburt vorgestellt hatte, zu sein. Was bringt ihm dieser Erfolg jedoch, wenn keine Person auf dieser Welt, mit Ausnahme seines Erschaffers, über sein Geheimnis Bescheid weiß? Wie könne er den Menschen das Zeitalter einer neuen Spezies ankündigen, ohne seine wahre Identität zu entblößen? Demian hatte eines bemerkt. Er war zwar mächtig, reich, gutaussehen und fast jeder Person in New York überlegen, dennoch war er für jeden Menschen der Welt nichts anderes als eine weitere reiche Person und CEO von mehreren Unternehmen, wie es hunderte auf jenem Planeten gab! Er hatte sich geschworen die Menschen zu verachten und seinen gebührenden Platz auf dem Thron der Nahrungskette einzunehmen, jedoch spielte er genau nach jenen Regeln und Prinzipien, die Menschen vorher entwarfen. Er war einfach nichts Besonderes.

MaxWellCB hatte sich nun in den gesamten USA als Spitzenlieferant für Drohnen etabliert, sie lieferten diese sogar an verschiedene Militäre unterschiedlicher Länder. Weil sich Demian in einer Trance der Faszination befand, als er von der Inspiration von dem Flugverhalten der Kolibris herausfand, hatte er inzwischen mehrere Geschäftspartner gefunden, die sich ebenfalls durchaus von Ideen des Tierreichs entnehmen. Gelegentlich nahm er sich Zeit um durch den Wald neben seines neuen Grundstücks, eine abgelegene Altbauvilla, zu wandern, um neue Inspirationen, der Natur zu entnehmen und zu perfektionieren, mit modernster Technik. Was in einer rein arbeitsbedingten und nicht mit eigenem Interesse bestückten Wanderung durch verschiedene Wälder begann, entwickelte sich langsam zu Demians Leidenschaft. Auf die Frage, wie er sich selbst als Übermensch der Welt präsentieren könne, hatte er noch keine Antwort, doch wenn er sich unter jenem grünem und braunem Gewöll befand, welches er sein ganzes Leben für widerlich und niederträchtig empfand, spürte er eine Art des Friedens. Er konnte sich ablenken von negativen Gedanken und weiter vorgeben, als würde er den freien, einsamen Wald nicht für sein eigenes, intrinsisches Glück, sondern für die Suche nach Inspirationen für neuste Technologien besuchen.

Dieses Verhalten stieg auf ein extremes an, bis er mehr Zeit in seiner zuerst verhassten Natur verbrachte, als in seiner angenehmen, sauberen Villa und da er kein Essen, kein Trinken und ebenso keinerlei Schlaf benötigte, vergaß er im Herzen des Waldes die Zeit und wurde von Tag zu Tag animalischer.

Nicht lange später, nahm seine Sucht nach dem Natürlichen, dem freien Triebgesteuerten, nicht logisch Denkendem Wesen der Mutter Natur ungehörte Ausmaße an, da das Denken ihm zutiefst in Sorge versetzte und er keine andere Wahl hatte als auf sein Geist zu hören, um des Friedens zu spüren. Er erwischte sich beim Atmen, wenn der Wind wehte. Wenn die Sonne schien, wuchst etwas in seinem Bauch, wie eine Sucht, die sich hin bis zu seinen Augen schlängelt, wie die Natter, die er zuvor am Rande einer Klippe betrachtet hatte, und ihn überkam, so dass er an nichts anderes Denken konnte, als „Ich muss ans Licht“! Seine Ohren filterten alles, bis auf das Zwitschern der Vögel, das Pfeifen des Winde, dass an Bäumen hindurch gleitet und dem stillen Nichts, welches von dem winzigen Kieselstein am naheliegendem See, der halbtoten Weide an Demians Lieblings Lichtung und dem durch die Wiesen streifenden Reh, zwei Kilometer östlich ausging. Wenn der grau bewölkte Himmel seine Haut, Haar und Klamotten streifte, blieb er stehen und regte sich nicht, bis die Sonne seine Blicke durch das antriebslose graue Gewölle hindurch schien. Wenn ihm nach Tränen zumute war, schaute er nach oben und erblickte die reine Macht der Natur, wie sie alles um ihn herum in Flüssigkeit ertränkte, bloß um ihn in der Kraft des Weinens zu bestärken.

Und eines Tages konnte man ein Huschen im Wald, Fußspuren und durchfressene Beeren Strauche erkennen, aber auf Demian sollte keine Seele dieser Erde jemals mehr ein Auge werfen. Die Freiheit hatte sich ihn längst verköstigt und was einst eine Menschenmaschine war, die die Wurzeln verachtete und die Menschen in das Gefühl der Unruhe stürzte, war nun nichts als ein winziges Sandkorn am Strand der Evolution, der seinen Namen verlor, als er die Entscheidung fasste seine Augen zum ersten Mal zu öffnen und seinem Schöpfer in die Reflektion des Herzens zu blicken.

So endet diese Geschichte. Eine Geschichte, die sich mit dem Wesen der Menschen und weniger mit einer Menschenmaschine abgibt.

Wettbewerbsgeschichte: Damian oder Demian oder - Schlussbild

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