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Geschichte Nr. 3

Wettbewerbsgeschichte: Die Maschine im Menschen

Die Maschine im Menschen Sie sagten es wäre nur ein Losverfahren. Nur jeder fünfzigste würde eingezogen werden. Danach heißt es Musterung. Da fallen ja auch wieder viele durchs Raster, insofern

Wettbewerbsgeschichte: Die Maschine im Menschen

Wettbewerb: Menschmaschine – VACSF26 – Vierter anonymer und chancengleicher Schreibwettbewerb auf punktasten.de

Teilnehmer-Nr.: WC2026_001_0005

Die Maschine im Menschen

Anonym eingereicht

Die Maschine im Menschen

Sie sagten es wäre nur ein Losverfahren. Nur jeder fünfzigste würde eingezogen werden. Danach heißt es Musterung. Da fallen ja auch wieder viele durchs Raster, insofern …

Die Politiker haben aber anderes im Sinn und wir, die achtzehnjährigen Männer, Frauen und Non-binären laufen blauäugig in unser Verderben. Am 01.06.2030 ist für mich und viele andere, der Anfang vom Ende. Dies ist meine Geschichte:

Es ist Samstag und ich kann endlich mal wieder ausschlafen und bin froh, dass ich heute mal keine Verpflichtung habe, da ich die Hausarbeit schon gestern erledigt habe.

Letzte Woche bin ich endlich achtzehn geworden. Ein Segen und Fluch zu gleich. Legal Erwachsensein. Damit kann ich alles machen, wonach es mir dürstet. Immer wieder wenn ich daran denke, zaubert es mir ein fettes Grinsen aufs Gesicht, so auch heute. Mit einem Schwung springe ich aus meinem Bett und laufe schnellen Schrittes die Treppe hinunter. Ich will mich gerade ins Bad begeben, als meine Mutter mir entgegenkommt. Ein Schluchzen kratzt in meinen Gehörgängen. Ihre Augen sind aufgequollen. Sie kommt mit offenen Armen auf mich zu. Ich verstehe nicht, was hier in diesem Moment los ist.

»Alles okay, Mama?«, frage ich das Offensichtliche. Ihre Unterlippe zittert, sie bibbert und wimmert.

Sie presst mit sichtlicher Anstrengung, nicht in den nächsten Heulkrampf zu verfallen, hinaus: »Schatz, du … du wurdest gelost.«

Hitze schießt durch meinen Körper und für einen Moment bekomme ich das Gefühl als würde ein Elefant auf mir sitzen. Meine Nasenflügel heben und senken sich. Meine Mama hält mich fester. Ich drohe zu hyperventilieren und dann, ja dann fällt der Damm. Meine Tränen rennen hinunter. Das kühle, salzige Nass fließt unaufhörlich.

Meine Mutter sieht mich an. Ihre Lippen formen ein stummes »Es tut mir so leid«, das sich lauter in meine Kopf frisst, als es ein normalgesprochenes Wort je hätte schaffen können.

Ich nehme den Brief an mich und lese selbst:

Wir danken dir, Lukas Papadopoulos, dass Sie unserem Land dienen. Ihnen wurde die ehrbare Aufgabe erteilt, unser Vaterland zu beschützen. In den nächsten Tagen werden Ihnen Instruktionen per Postweg zugeteilt.

Hochachtungsvoll

Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland

Ich lese die Zeilen, die so kalt wirken, als habe es eine seelenlose Maschine geschrieben. Vermutlich machen sie sich noch nicht dafür die Mühe. Die Augen meiner Mama schließen sich schmerzverzerrt. »Aber es gibt ja noch die Musterung«, sage ich eher nicht dran glaubend.

Sie rennt weinend in das Wohnzimmer. Am liebsten würde ich es ihr gleichtun. In meinem Zimmer lasse ich mich aufs Bett fallen und mache die Augen zu, hoffe, dass das alles nur ein schlechter Traum sei, hervorgerufen durch meine speziellen Brownies. Manchmal, gerade in diesen Momenten wünsche ich mir mein Vater wäre noch hier. Eines Tages verschwand er spurlos, er wollte etwas bei einem Freund abholen, doch er kam damals nie bei ihm an.

Die Zeit vergeht, doch die Ereignisse wollen sich partout nicht als Alpträume entpuppen.

Alle kommenden Tage ziehen sich. Es ist nur noch ein warten auf seinen Henker.

Die weiteren Instruktionen kommen mit der Post. Am 1.8. 2030 würden sie mich mit einem Bus abholen. Auch lassen sie mich wissen, dass Flucht keineswegs gerne gesehen ist, insbesondere da es nichts bringt, da sie mich schon finden.

Noch anderthalb Monate bis sie mich einziehen. In dieser Zeit wird aus meiner vollschlanken Mutter, nur noch ein Gerüst aus Knochen. Es scheint fast so als würden die Knochen sich durch ihre Haut bohren.

Ich werde von der Schule freigestellt, denn das einzige, was ich sehe, wenn ich das Mathebuch in Händen halte, wie ich mit einem Bajonett auf andere Leute einsteche, um mich rum nur Schüsse zu hören. Für meine Tapferkeit dem Land zu dienen, habe ich nun schulfrei. Ich will es am liebsten anders benennen. Das Schlimme ist, dass ich mich für fünfzehn Jahre verpflichtet habe. Auch sind einige Gerüchte, um unsere Sicherheit in diesen Kasernen im Umlauf. Dem schenke ich aber eher weniger Aufmerksamkeit.

Die Tage rinnen nur so durch meine Händen.

Früher als erwartet, steht der erste August vor der Türe und hupt sich die Seele aus dem Leib. Ein röhrendes und hustendes Geräusch.

Meine Habseligkeiten sind gepackt und für Verpflegung ist auch gesorgt. Wäre es doch nur eine kleine Wandertour, wie damals in der Kita. Ich weiß auch nicht, warum ausgerechnet ich an die Osterspaziergänge denken muss.

Langsam gehe ich die Treppen hinunter. Meine Mutter nur noch ein Schatten ihrer Selbst. Ihre Augen geschlossen, trotzdem hält sie die Hände auf. Ich schmeiße mich in die Umarmung. Wir verharren in dieser Position. An Mutterliebe hat es mir nie gemangelt.

Das laute krächzende Schreien der Hupe ruft nach mir.

Meine Mutter nimmt meine Hand, drückt sie so fest, dass ich wusste, dass ich später davon Abdrücke haben werde. Ich sage nur nichts.

Ein kalter Schauer überfällt mich als ich die Türklinke nach unten drücke.

Da steht ein grauer großer Doppeldeckerbus.

Ich kann den Blick nicht abwenden. Das Grau des Busses verschlingt alles andere, bis meine Augen brennen, weil ich das Blinzeln vergesse.

Ein leises, fast schon mit dem Hintergrund verschmelzendes ›Du musst hineingehen. Die anderen warten auf dich‹, malträtiert in Dauerschleife meinen Verstand. Ich löse mich von meiner Mutter und gehe zu der Vordertür rein.

»Hey, ich bin Lukas. Lukas Papadopoulos«, gebe ich aus mir nicht erkenntlichem Grund von mir.

»Ist mir scheißegal. Und wenn du der jüngster Papst wärst. Verpflanze deinen Arsch nach hinten und quatsche mich nicht voll. Du bist jetzt in der Armee.«

Ich will noch etwas sagen, doch es bleibt mir im Halse stecken.

Mit dem Kopf gesenkt marschiere ich nach hinten. Die Suche nach einem Platz beginnt. Die Augen der anderen Eingezogenen starren mich an. Sie brennen sich auf meine Haut. Weiter geduckt, nehme ich den nächsten freien Sitz.

Ein stumpfes Klopfen erschallt. Ich drehe mich zu dem Geräusch um und sehe meine Mutter, wie sie mit der einen Hand ihre Mimik und vermutlich ihren Schmerz vor mir zu verstecken versucht und mit der anderen Hand winkt sie so dermaßen heftig, dass man meint, ihr würde gleich der Arm abfallen. Fast vergessen. Ich werfe ihr einen Kuss zu.

Die Fahrt zieht sich. Ich sitze nun mehrere Stunden alleine, bis nach dem xsten Stopp sich endlich jemand neben mich setzt.

Die Person hält mir die Hand hin. »Warst du schon mal auf einem richtigen Shrimpskutter?«

»Nein, aber ich habe mal eine Dampferfahrt gemacht.«

Wir müssen beide lachen. Es hat etwas surreales und jetzt weiß ich auch, woran mich dieser Bus und generell das alles hier erinnert.

Die Person platziert sich neben mich und wendet sich zu mir.

»Johannes Marcus Godoy. Aber alle nennen mich John.«

Okay, spielen wir das Spielchen weiter. Es tut gut für einen kleinen Moment der beschissen Situation zu entkommen.

»Papadopoulous. Lukas Papadopoulos. Mich nennen alle Lukas Papadopoulos.«

Und nein, er arbeitet nicht für Bubba Gump Shrimps.

Mit John wird die Zeit erträglicher, indem wir über Gott und die Welt reden. Das endet abrupt als der Busfahrer durch die Lautsprecher folgendes sagt: Schön, dass ihr alle hier zusammengekommen seid. Ihr habt es tatsächlich geschafft auf uns zu hören, denn wir finden euch, egal wo ihr euch versteckt. Dies gilt übrigens auch während ihr bei uns seid. Comprendé? «

Die Gespräche werden eingestellt. Die Luft, die hier zu atmen ist, fühlt sich komisch an, als ist sie gerade um mehrere Grad abgefallen.

»In fünfzehn Minuten sind wir bei der Kaserne. Dort gibt es die Musterung.« Das letzte Wort betont er so hämisch, dass es mir eine bestimmte Richtung vorgibt, was hier abgeht. John und ich bleiben über die restliche Fahrt stumm.

In voller Montur sitze ich stinkend, schwitzig auf einem Stuhl, bis ich hinter der Tür eine Bewegung ausmache. Ich richte mich auf, erwarte ein Knarzen, doch es ist still als die Pforte sich öffnet.

Mein Verstand setzt kurz aus, denn ich halte es für einen Scherz. Mein Blick wandert im Raum umher und sucht nach Kameras. Doch gar nichts.

Warum ich das denke? Ein humanoider Roboter auf Rädern rollt auf mich zu. Ein technisches Konstrukt, das zwar menschliche Züge imitiert, aber in jeder Bewegung künstlich wirkt. Es stakst auf mich zu.

»Hallo, Lukas. Schön, dass du gekommen bist«, ertönt eine tiefe Stimme, die keineswegs mechanisch klingt. Als hätte ich eine Wahl gehabt.

»Ich gehe deiner Mimik und Gestik von aus, dass du irritiert bist.« Das, was seine Augen sein sollen, flackert ein wenig.

»Ja, Sie sind ein fucking Roboter«, schreie ich das Ding an.

»Klever kombiniert.« Ein gutturales Lachen geht durch den Raum. »Schreien ist nur nicht nötig. Ich möchte gerne, dass du dich bitte an diesen Tisch da hinten setzt und den Test absolvierst.«

Ich kneife die Augen halb zu und mache aber das, was er/es mir sagt, setze meinen Rucksack ab und verpflanze mich auf den Stuhl. Vor mir ausgebreitet liegen mehrere Stapel an Aufgaben auf Papier gedruckt. Wir haben das Jahr 2030. Digitalisierung ist auf dem höchsten Stand. Weltweit. Wirklich weltweit? Nein, ein kleines Land sträubt sich dagegen.

Es sind einfache Sachtexte mit logischen Fokus, die mit den Aufgabennummern, auch an Schwierigkeiten zunehmen. Irritierend ist es, dass es keine Zeitlimit gibt, zumindest wird keines erwähnt. Komplett versunken bemerke ich nicht – zumindest zunächst -, dass mich der Roboter mit seinen Augen fokussiert. Ein Schauder der über mich hinwegbricht, als ich es nun realisiere. Mein ganzer Körper zittert. Als ich nun zurück anstarre, blickt er demonstrativ woandershin. Ich lege den Stift neben den Test. »Ich bin fertig.«

»Sehr gut gemacht. Begebe doch jetzt bitte in den nächsten Raum. Du musst einfach durch die Türe da.« Seine mechanische Hand zeigte mir den Weg. Ich leiste ihm Folge und gehe trotzig den Pfad entlang. Für Begriffsstutzige ist eine rote, dünne Linie auf den Boden gezogen, mit der Schrift ›Raum 2‹.

Am Ende des Pfads, mache ich ein karg eingerichtetes Zimmer aus. Hat etwas von einem Wartezimmer eines Arztes. Fehlen nur noch diese ganzen Magazine des letzten Jahres, die ekelhaft verseucht mit Keimen sind.

Ich nehme auf diesen unbequemen Stühlen Platz.

Meine Finger trommeln nervös auf dem Hartplastik der Armlehne. War die Antwort bei Frage 199 wirklich so einfach? Der Geruch von Desinfektionsmittel holt mich aus meinen Gedanken.

Ich erinnere mich an die Arztbesuche als ich noch klein war. Meine Mama war stets an meiner Seite. Sie hielt mich immer auf Trapp und gab mir Rätsel auf, da mir öfters langweilig war und überbrückte damit die Zeit.

Ihre zarte Hand von Wärme umgeben auf meiner. Ich bilde mir ein ›Ich hab dich lieb‹ zu hören.

Wieder in der Realität. Die trostlosen, kalten Wände an diesem Ort. Nach einigen Minuten kommt ein als Frau gelesener Roboter.

»Ich darf Ihnen gratulieren. Sie haben die volle Punktzahl und somit qualifizieren Sie sich für eine Ausbildung als Stratege. Wenn Sie mir bitte folgen würden.« Sie dreht sich um und stakst wie zuvor der männliche Roboter komisch weiter. Wieder nehme ich meinen Rucksack. Diesmal geht es einen anderen Gang entlang. Passagierschein A38.

»Sie müssen nur in Raum 1.19, der Rest wird Ihnen vor Ort erklärt, obwohl es eigentlich selbstklärend ist. Viel Glück.«

Entweder hat die einen Sprung im Getriebe oder die Roboterin hat gerade gelacht, außerdem was soll das mit dem ›Viel Glück‹. Ich bin ein bisschen angefressen, trotzdem folge ich ihrer Anweisung.

Ein langer Korridor erstreckt sich mit zig Nummer.

Mit 1.01 fängt es an. An den jeweiligen Schildern stehen komische Zahlenfolgen, sonst nichts. Ich bleibe stehen, die Nackenhaare stellen sich auf. Was bedeuten diese kalten Zahlenfolgen an den Türen? Vielleicht ist das so ein Militärcode?

Ich gehe nun in diesen Raum und bevor ich nur einen Rundblick machen kann, verriegelt sich die Tür lautstark hinter mir selbstständig.

Was ist das für eine seltsame Scheiße?

»Schlafgas wird eingeleitet.«

Wo zur Hölle bin ich …

Mein Gedanken funktionieren nicht …

Schwarz …

Ich wache auf. Eine Leichtigkeit macht sich in mir breit. Das, was im Schlafgas drin ist, kann ich gerne öfters nehmen. Ich lache und etwas fühlt sich komisch an. Mein Körper bebt gar nicht mit. Ich möchte mich abtasten, aber …

Eine Tür öffnet sich quietschend. Endlich ein Mensch.

»Sehen Sie, was passiert, wenn man sich gegen uns stellt?«, kommt es harsch von jemanden, den ich nicht sehe, denn ich kann mich nicht wirklich aufhieven.

»Wer soll das sein?« Diese Stimme. Sie kommt mir so bekannt vor.

Ich will schreien und aufmerksam auf mich machen, doch zwecklos. Egal wie stark ich mich dazu zwinge, es will nichts entweichen.

»Wie dumm von mir. Mit dem ganzen Schnickschnack können Sie es natürlich nicht erkennen. Es ist ihr eingezogener – vorgezogener trifft es eher – Bekannter.« Ein fast schon schreiendes Lachen kommt von dieser anderen unbekannten Stimme. Es wird still.

»Lucci?«, kommt es von ... Nein, das darf nicht sein. Wo warst du. Ich brauche dich. Hilf mir. Bitte!

»Mir wäre nicht bekannt, dass Sie einen anderen Sohn haben. Oder verheimlichen Sie Ihrer Frau, ein uneheliches Kind.« Ein Schlag auf etwas – vermutlich auf den Rücken. Wieso kann ich mich nicht bewegen? Wo ist meine Angst hin? Etwas saugt mich aus.

»Warum?« Ich höre Schritte, die auf mich zukommen.

»Nanana, Herr Papadopoulos. Jetzt werden Sie bloß nicht übermütig. Sie bleiben da, wo Sie gerade sind, denn es wäre mir fast zuwider, Ihrem Sohn den Strom abzustellen.« Welcher Strom?

»Was habt ihr mit ihm vor?« Weiterhin starre ich die Decke an. Kann keinen Blick auf das Geschehene werfen.

»Och Sephrahim. Ich darf Sie doch duzen? Deine Neugier hat dich doch erst hierhin gebracht. Außerdem sollst du deinen Gefolgsleuten noch sagen können, wie hier mit Ungehorsamkeit umgegangen wird.« Selbst ich verstehe diese Art der Drohung. Was hat mein Vater verbrochen?

»Führt den Verräter ab und lasst ihn nur spärlich am Leben. Schmeißt ihn danach wie eine Ratte zurück in die Kanalisation aus der wir ihn gefischt haben.« Die Tür öffnet sich. Ich höre ein lautes Marschieren.

»Aber mein Sohn.« Ein Flehen in dieser so verzweifelten Stimme. Ein Gerenne nehme ich wahr.

Mein Vater taucht in meinem Sichtfeld auf.

»Ich werde dich aus diesem Schrott befreien.« Seine Hände reißen an etwas, doch spüre ich nichts. Eine der Menschenähnliche Roboter steht hinter ihm. Ich will ihn warnen, doch … es passiert nichts.

Ein Schlag auf den Hinterkopf, lässt ihn zu Boden fallen.

»Das bezweifle ich stark, Herr Papadopoulos.«

Ein Schleifen. Ein Marschieren. Dann Stille.

»Und du hast auch schön alles mitbekommen, lieber Lukas?«

Ein korpulenter, alter Mann springt in mein Blickradius.

Es wird schwarz um mich.

Gleicher Ort. Zwanzig Etagen höher.

»Herr Rudolf, ich muss Sie wirklich loben. Die Idee mit dem Projekt ›Losverfahren‹ war ein voller Erfolg.«

Ein dicklicher, weißer Mann schüttelt die Hand seines Gegenübers.

»Manche muss man echt zu ihrem Glück zwingen. Die Zahlen sprechen für sich. Ein Zuwachs von tausend Prozent der ›Freiwilligen‹.« Herr Rudolf setzt imaginäre Gänsefüßchen in die Luft.

»Und dann auch noch die Umsetzung. Den menschlichen mit dem künstlichen Verstand zu kombinieren. Eine meisterliche Leistung.«

Das Grinsen des dicklichen Mannes zieht sich übers ganze Gesicht. »Aber werden die Menschen sich nicht dagegen auflehnen?« Herr Rudolf nickt. »Das schon, aber sie werden es nicht ändern können. Der Kanzler war einfach. Unsere ersten Gehversuche scheiterten. Man erinnere sich nur bei Jim Carrey 2026 auf der Cesar. Seitdem lernen wir dazu. Unser Äußeres unterscheidet sich nicht mehr viel von denen eines Vollblutmenschen. Und wir lernen doch immer mehr durch die Idiotie der Menschen, damit wir sie manipulieren und steuern können.« Er dreht sich um und schaut aus dem Fenster. »Wir zapfen schließlich ihre Kinder an und machen später daraus unsere Soldaten für die Sache. Es benötigt nur noch geringfügige Anpassung, damit es auch ohne Schwarmwissen funktioniert.« Herr Rudolf dreht sich wieder zu seinem Gesprächspartner um. »Eine Welt ohne Menschen ist ein besserer Ort.« Ein langgezogenes »Dennoch« folgt.»… brauchen wir ihr Wissen an dem wir uns laben können. Stellen Sie sich eine Welt ohne Krieg vor. Natürlich nachdem wir gewaltsam Frieden schaffen.«

Woher kamen diese Worte? Wieso träume ich von so etwas?

Ich liege in meinem Bett und alles ist nur ein skurriler Traum.

»Genug geschlafen. Ihr kleinen Dornröschen müsst aus den Federn.«

Ich reiße die Augen auf. Wer spricht da? Wieso bin ich aufrecht? Mein Blick geht starr nach vorne. Vor mir ist ein Mensch. Er wirkt wie eine Schaufensterpuppe. Als wäre er nicht lebendig.

»Folgt mir«, kommt es von einer Stimme. Komischerweise gehorche ich, sowie die anderen. Im Gleichschritt gehen wir wie Soldaten. Warte! Ich sollte doch einer werden? Was ist geschehen? Meine Erinnerungen sind nicht greifbar.

»Stillgestanden.«

Kleine Drohnen surren sich den Weg zu mir. Ein Bildschirm ploppt auf.

»Analyse vollendet. Lukas Papadopoulos. Geboren am 28.12. 2012. Also zwanzig Jahre.«

Das stimmt nicht. Ich bin achtzehn. Warte! Was?

»Sie sind einer der Glücklichen, die für unser Vaterland ein großes Opfer erbracht haben«, fährt die Stimme von eben fort.

Welches Opfer?

»Schauen Sie selbst, Lukas.« Augenscheinlich öffnet sich die Innenkamera. ›Modus II aktiviert. Geringfügige Eigenmacht.‹

Ich sehe mich selbst, so wie ich mich kenne, doch es ist Irgendetwas anders. Ich berühre mit meinen Fingern mein Gesicht. Es ist alles normal. Mein Blick wandert an mir herab. Ich schaue auch nach links und rechts. Erkenne so viele Menschen, die in Reihe und Glied sich betatschen. ›Modus II deaktiviert.‹

Etwas zwingt mich wieder stramm hinzustellen wie ich eben stehe. Ich versuche meine Arme nach oben zu ziehen, doch ohne Ergebnis. Ich will nach Hau …

»Sie sind weiterhin Lukas Papadopoulos. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass Sie gereinigt sind. Böses Gedankengut wird in diesem Moment gefiltert.«

»Genau. Euer erster Auftrag zur Übung steht auch schon kurz bevor. Also …« Wir marschieren im Gleichschritt.

Ein Bild schießt durch meinen Verstand. Meine abgemagerte Mutter, die alleine am Tisch sitzt. Ihre nicht dampfende Tasse Kaffee hält sie in ihrer Hand. Ungetrunken. Unbewusst. Ihre blutunterlaufenen Augen blicken ins Leere. Sie wartet. Sie wartet auf mich. Der Boden zugemüllt. Etwas erscheint vor meinem Auge.

›Erster Auftrag, erste Zielperson identifiziert- Eliminiert eure Eltern und Verwandten.‹

Wettbewerbsgeschichte: Die Maschine im Menschen - Schlussbild

⭐ Bewertungen & Rezensionen

★★★★☆
4,0
2 Bewertungen, 1 Rezensionen

💬 Kommentare

A
Anonym
15.07.2026 13:16
Coole Idee, nur irgendwie manchmal ein bisschen holprig beim Lesen. Hat aber Spaß gemacht sie einzusprechen.
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