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Geschichte Nr. 4

Wettbewerbsgeschichte: Das Richtige

Bellveni berührte die versiegelte Tür, kaltes, glattes Material, sein nackter Körper reglos dahinter. Dunkelblondes Haar fiel über die glatte Stirn, braune, dichte Augenbrauen, die Augen geschloss...

Wettbewerbsgeschichte: Das Richtige

Wettbewerb: Menschmaschine – VACSF26 – Vierter anonymer und chancengleicher Schreibwettbewerb auf punktasten.de

Teilnehmer-Nr.: WC2026_001_0007

Das Richtige

Anonym eingereicht

Bellveni berührte die versiegelte Tür, kaltes, glattes Material, sein nackter Körper reglos dahinter. Dunkelblondes Haar fiel über die glatte Stirn, braune, dichte Augenbrauen, die Augen geschlossen, eine gerade Nase über der schmalen Oberlippe, die über der fein geschwungenen Unterlippe lag. Stille.

Sie zog den weißen Kittel aus, legte ihn über die Metallliege. Ein letztes Mal versicherte sie sich, dass der Raum abgeschlossen war, bevor sie das Kommando Board betätigte und alle Systeme hochfuhr. Sie kannte alle Parameter und Frequenzen, hatte an ihrer Perfektionierung gearbeitet, Tag und Nacht. Langsam erhöhte sie die Spannung, wartete auf das Geräusch, fließender Strom und die Wärmeleiter, die sich aufluden.

"Geduld", flüsterte sie.

Sie warf einen Blick auf ihn, spürte ihr Herz schneller schlagen, Adrenalin flutete ihren Körper.

Die Zeit schien gegen sie zu arbeiten. "Mehr Wärme, mehr Spannung", sprach sie sich Mut zu, bevor sie die Knöpfe bestätigte.

Nichts. Enttäuscht seufzte sie, strich über das undurchdringbare Glas der Kapsel, in der er sich befand. Sie würde nicht aufgeben. "Prometheus", sie küsste ihn durch das Glas.

"Haaaaaa", er riss die Augen auf, tat seinen ersten Atemzug, sah gehetzt auf das Glas um sich, Panik in seinen Augen, dann sah er in ihr Gesicht und presste seine Hand gegen das Glas, dort wo ihre Hand auf der anderen Seite lag. Er blickte in ihr geschocktes, überraschtes Gesicht, das sich zu einem voller Bewunderung wandelte.

Langsam öffnete er die Lippen, "Prometheus" wiederholte er tonlos....

Bellveni riss die Tür auf, fing den lauwarmen Körper, half ihm zur Liege, schob ihn mit all ihr gegebener Kraft auf die Fläche. Mit zitternden Fingern griff sie eine der Rettungsdecken, legte die silberne Seite über den nackten Körper, legte die Elektroden des EKGs auf die glatte Brust. Er öffnete den Mund. “Prometheus”, krächzte er leise.

“Das ist dein Name. In der Mythologie hat er den Menschen aus Lehm erschaffen. Ich wollte, dass du so heißt, weil …” Sie hielt inne, sah seinen neugierigen Blick, der auf ihre Hand fiel, die das Stethoskop auf seine Brust legte.

“Stethoskop”, lächelte sie, “Ich höre dein Herz schlagen. Ich habe versucht, dich so echt wie nur möglich zu gestalten, der Ton ist echt. Wir werden die Sprachzentren aktivieren, ja? Ich dachte nicht, dass es endlich funktioniert. Du wirst sofort…” Sie drehte sich halb, gab ein Passwort in den Computer ein. Verschiedene Prozesse liefen über den Bildschirm, sie tippte, aktivierte verschiedene Programme, bevor sie sich zu ihm drehte und in die blauen Augen sah. Sanft strich sie eine der langen Haarsträhnen aus seiner Stirn. “Wie wunderschön du bist.”

“Wunderschön!” Seine Hand griff ihre.

"Ja, du bist wunderschön, du bist perfekt.” Sie sah auf den Bildschirm, sah den Ladebalken, nickte zufrieden.

“All parameters working, all programs Completed”.

“Aber du bist auch wunderschön, sind wir nicht alle perfekt?”

“Sicher Prometheus, das sind wir.”

“Wo bin ich?” Sein nackter Oberkörper richtete sich auf, er besah das Labor.

“Das ist ein Labor, es hat viele Jahre gedauert, bis ich es so eingerichtet hatte und bis…du entstehen konntest.”

“Künstliche Intelligenz?”

“Ja, genau.” Zufrieden lächelte sie.

“Hier,” sie griff die Kleidung neben sich von einem der angrenzenden Tische. “Wir können dich nicht nackt herumlaufen lassen.”

“Nein.” Ein Schmunzeln huschte über die Lippen, er hob eine Augenbraue.

Stolz sah sie zu, wie er in Shorts und Jeans schlüpfte, das T-Shirt glatt strich und sich durch das weiche Haar fuhr.

“Ich liebe dich!” Er sagte es so unvermittelt, dass sie den Blick senkte, sich daran erinnerte, warum sie ihn erschaffen hatte, warum nur er ihre Einsamkeit beenden konnte.

“Ich liebe dich, Prometheus. Mehr als du es verstehen kannst!”

“Liebe ist eine Emotion, sie kann aus Dankbarkeit, mütterlicher Zuneigung, mit sexueller Anziehung, zwischenmenschlich und aus vielerlei Komponenten entstehen, die…”

“Ja, das kann sie. Danke, ich weiß.” Nun war es sie, die schmunzelte. Langsam, einen Moment zögernd ging sie auf ihn zu, berührte das glatte Gesicht. Etwas in seinen Augen glimmte auf, lag tief unter dieser fein justierten Mechanik, hinter den programmierten Funktionen. Nur kurz schien es greifbar, dann schloss er die Augen, zog sie an sich und küsste sie.

Bellveni hatte viele Dinge empfunden, viele Dinge erlebt, nichts war vergleichbar mit dem Gefühl, das nun durch sie floss, das seiner Erweckung gleichkommen musste.

Er hatte die ganze Fahrt zu ihr Nachhause aus dem Fenster gesehen, ihr von den Sternen erzählt, von Planeten, der Milchstraße, davon, wie es machbar wäre, andere Universen zu erkunden, wenn man die Technik anders voran trieb. Davon, dass Krieg und die Ausbeutung des Planeten zur Apokalypse führten. Mit jedem Wort aus seinen Lippen, dem Klang der weichen Stimme, verliebte sich Bellveni mehr in ihre Schöpfung, ihren Prometheus. Fast war sie sicher, all das sei nur ein Traum, einer, aus dem sie erwachen würde, gebrochen und zu überwältigt, um ihn wahr werden zu lassen.

Aber hier saß er, lächelte, während er in ein Sandwich biss, sich Mayonaise vom Daumen leckte und davon sprach, dass er müde war.

Sie hatte ganze Arbeit geleistet, mit all den komplizierten Prozessen, mit den Dateien, in die Erinnerungen der Menschheitsgeschichte gepackt hatte, Zeitfenster, Lernprozesse und Erweiterungen.

Und dann schien der Mond in ihr Schlafzimmer, in dem er bei ihr lag und seine Finger auf eine sanfte Entdeckungsreise schickte. Bewundernd strich er über ihre aufragenden Knospen, erfreute sich an seinem zärtlichen Spiel, weckte Begierde, erfüllte Sehnsüchte. Warme Lippen saugten an ihr, ließen sich Zeit, keine Eile, nur er und dieses wilde Gefühl in ihrem Bauch. Er verteilte Küsse auf ihrer Haut, seufzte leise, als sie ihre Hände in das halblange Haar schob und seinen Weg zwischen ihre Schenkel begleitete. Die Welt endete, in dem Moment, in dem er seine Zunge in ihre Blüte drängte und ihr Körper sich wild unter ihm wandt, ihr Stöhnen den Raum erfüllte. Süßes Vergessen legt sich über ihre Gedanken, ihr Empfinden übernahm das Kommando. Hier wollte sie nur mit ihm sein, ihrem Prometheus, ein Geschenk an sich selbst.

Eine Hand stützte sich neben ihren Kopf, langsam schob er sich über sie, legte seine Stirn an ihre, sah sie an, küsste sie so leidenschaftlich, dass die Dunkelheit um sie zu gleißendem Licht wurde und sie nichts sah als ihn und dieses Strahlen in seinen Augen. Prometheus drang in sie, seufzte ergeben in ihren Mund. Ihre Finger glitten über seinen Rücken, berührten seinen festen, kleinen Hintern. Seine Bewegungen in ihr, sanft, bedächtig, bis sie sich aneinander gewöhnt hatten und er wild in sie stieß, schneller, immer darauf bedacht, ihr zu gefallen, ihr jedes Gefühl zu schenken, das sie sich wünschte. Ich werde wahnsinnig, dachte sie, während sie kam und den Halt verlor. Weiter nahm er sie, stöhnte grollend, ihre Finger gruben sich in seine Haut, ihre Beine klammerten sich um ihn, Lust, Leidenschaft und pure Liebe, als sie ein weiteres Mal kam, diesmal mit ihm.

Ihr Kopf lag auf seiner Brust, seine Finger spielten mit ihrem Haar. “Ich liebe dich!”

Bellveni sah auf. “Ich liebe dich!”

Zeit hatte keine Bedeutung mehr, seit Prometheus hier war. Sie hatte ihm einen gut gefälschten Ausweis gekauft, hielt seine Hand, wo immer sie zusammen waren, genoss seine Zuneigung und bewunderte jeden seiner Lernprozesse. Hatte sie anfangs Angst gehabt, es könne befremdlich sein, ihn zu lieben, so stellte sie fest, wie leicht es ihr fiel und wie gut sie sich fühlte.

Zeit verlor ihre Dunkelheit, wenn sie in sein ebenmäßiges Gesicht sah und ignorierte, dass sie sich über moralische Gesetze hinweggesetzt hatte.

“Ich möchte ein Baby mit dir”, er goss Milch in seinen Kaffee.

“Du möchtest…”

“Wir lieben uns doch, oder nicht?”

“Prometheus, du weißt gar nicht, wie sehr ich dich liebe, dich vergöttere, aber…”

“Dann sollten wir ein Baby haben, ich möchte fühlen wie du.”

“Wie ich?”

“Wie hat es sich angefühlt?”

“Angefühlt?”

“Nun, wie hat es sich angefühlt einen Menschen zu erschaffen, etwas, das dir gehört, dass dich bedingungslos liebt?”

Es traf sie, schmerzte sie, machte ihr bewusst, was sie getan hatte, was er war. Ihre Kreatur.

“Ein Baby wäre wie ein gemeinsames Projekt, unsere Schöpfung. Ich bin Prometheus, er hat den Menschen aus Lehm erschaffen und wir, wir könnten einen aus Liebe erschaffen!” Er berührte ihren Bauch, sah sie bittend an.

Ihre eigenen Waffen, ihre Eitelkeit, ihre Verfehlung. Hier saß sie mit ihm, der sie aus diesen blauen, unschuldigen Augen ansah, ohne zu verstehen, wie weit es gehen würde, diesen Schritt zu wagen.

“Kann mein Sperma dich nicht befruchten?”

Sie schloss die Augen, verbarg ihr Gesicht hinter ihren Händen, versuchte, den Impuls zu unterdrücken, zu weinen.

“Es wäre möglich, wenn…”

Prometheus erhob sich, kniete sich halb neben ihren Stuhl, nahm ihre Hände in seine.

“Bitte!”

Sie hatte vergessen, was die Ärzte ihr gesagt hatten, all das war in seiner Freude untergegangen, in seiner Begeisterung, als sie ihm von Eizellen und künstlichen Befruchtungen erzählte. Es war nicht, dass sie sich nicht genau das wünschte, aber es war das, was sie am meisten fürchtete. Etwas, das sie real werden lassen und das so furchtbar schief laufen konnte. Aber hier mit seinem Lächeln, seinen Augen und dem Gefühl der Liebe, während sie miteinander schliefen, verdrängte sie all das.

Programmierte Zellen der Perfektion, es konnte ein episches Meisterwerk werden, die Krönung ihrer Schöpfung. Künstliche Intelligenz in einem kleinen Becher, mit dem Namen Prometheus, eine Injektion, ein paar Handgriffe.

Und dann wuchs ihr kleines Wunder in ihr. Eine kleine Lüge, etwas, das so unnatürlich war, wie ihre ganze Welt und er überhäufte sie mit all den erlernten Prozessen, küsste ihren Bauch, hielt sie fest und pflanzte den Keim einer zarten Pflanze der Hoffnung in ihrem Herzen. Es würde funktionieren.

All die Ulrtraschallbilder, die er mit Sorgfalt in Alben klebte, Dinge, die er baute, die Sorgfalt, mit der er das Zimmer gestaltete.

“Ein Junge!” Der Arzt drückte seine Hand. Lächelte sie freundlich an.

Leonard, stand in großen Buchstaben über dem kleinen Babybett. Man beglückwünschte sie, man bewunderte ihre große Liebe und sie selbst glaubte daran, verstand nun, wie sehr er sich dieses Kind wünschte. Weil sie es sich inzwischen genau so wünschte.

Müde sah sie zu ihm, wie er das kleine Wesen in seinem Arm hielt, es hin und her wiegte und küsste. Er hatte ihre Hand gehalten und alles getan, um ihr die Geburt zu erleichtern. Liebe, dachte sie, während sie die beiden ansah.

3 Monate, in denen sie zusah, wie Vater und Sohn einander ähnlich waren und sie verstand, dass es nichts Vergleichbares gab, wie das Gefühl, für all das. Prometheus gab seinem Namen endlich Bedeutung, hielt seine Schöpfung in den Armen, lachte, küsste, umsorgte. Und wenn ihr kleines Wunder schlief, liebte er sie, hielt sie, sprach von ihrem unendlichen Glück. Bellvenis Welt blühte, strahlte immer, wenn sie an ihre kleine Familie dachte.

Sie trat aus dem Aufzug, ging den Flur entlang, schloss die Tür auf, trug die kleine Tüte in die Küche.

“Prometheus?” Stille. “Prometheus?”

Ihre Schritte auf dem Parkett, ihre Hand am Türgriff, sein Kopf, der sich umwandte, sein Blick, der sie glanzlos ansah.

“Leonard?” Ihr Schrei war alles, das blieb. Das und der Blick auf das tote Bündel in seiner Hand.

“Mein Baby… Leonard…” Verzweiflung, Wut und Hass auf ihre elendige Eitelkeit, ihren Wunsch nach Liebe, ihr Wunsch, Gott zu spielen und zu glauben, sie habe das Recht, in den Lauf der Dinge einzugreifen. Ihre unendliche Liebe zu Prometheus und die, die göttlich und unüberwindbar war. Ihre Liebe zu Leonard.

Bellveni griff den Schürhaken, spürte, wie der Schmerz sie einnahm, wie sehr es sie zerstörte. Seine Lippen, die ein Nein formten, seine Hände, die sich zur Abwehr erhoben. Seine perfekte Liebe und ihr Selbsthass trafen aufeinander.

“Brich den verdammten Vorgang ab, brich es ab, verdammte scheiße, sie bringt ihn um, sie….”

Der Mann im weißen Kittel schrie, sah über die Schulter des Mannes, der wilde Kombinationen in die schwarze Maske eingab.

“Sie waren perfekt, sie waren perfekt.”

“Es muss ein Fehler in ihrer Programmierung sein, irgendwo hat sie einen Bug, ich kann es nicht rückgängig machen.”

Der Mann sah auf seine Hände, spürte die Verzweiflung. Hastig drehte er sich um, lief den langen Flur entlang, ignorierte die Menschen, die ihm nach sahen. “Deck 4”, schrie er in die Gegensprechanlage des Aufzugs. Die Tür öffnete sich, er rannte, erreichte die Tür, tippte seinen Sicherheitscode ein und eilte in die kalte Halle. Die Reihen gläserner Kapseln füllten den Raum, bis in die Dunkelheit, weit hinein in das Innere des Decks.

Der Mann im weißen Kittel öffnete das Terminal vor sich, stellte das Licht ein, ließ zwei der Kapseln bis zum Boden herunter. Bedächtig schritt er darauf zu, lächelte während er an dem Mann vorbeiging, auf dessen Kapsel der Name Prometheus abgebildet war. Seine Hand presste sich an das Glas der Kapsel unweit des Mannes. ‘Bellveni’.

Die automatische Schiebetür hinter ihm zischte, öffnete sich.

“Wir werden es schaffen, glaub mir. Es war nur ein System Error in einer der…”

“Wir müssen,” sein Namensschild spiegelte sich in der abgerundeten Fläche ‘Leonard’.

…sonst werde ich nie geboren!”

Wettbewerbsgeschichte: Das Richtige - Schlussbild

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