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Geschichte Nr. 15

Wettbewerbsgeschichte: Die nächste Stufe

Die nächste Stufe Die Metro kommt abrupt zum Stehen. Ceta fällt vornüber, mit dem Kinn zwischen fremde Schulterblätter, auf einen Alpha-Kerl in Trainingsanzug und Sporttasche. Ein Schrei. Von ihr ...

Wettbewerbsgeschichte: Die nächste Stufe

Wettbewerb: Menschmaschine – VACSF26 – Vierter anonymer und chancengleicher Schreibwettbewerb auf punktasten.de

Teilnehmer-Nr.: WC2026_001_0018

Die nächste Stufe

Anonym eingereicht

Die nächste Stufe

Die Metro kommt abrupt zum Stehen. Ceta fällt vornüber, mit dem Kinn zwischen fremde Schulterblätter, auf einen Alpha-Kerl in Trainingsanzug und Sporttasche. Ein Schrei. Von ihr selbst. Sonst reagiert keiner auf den unerwarteten Halt.

„Dein erstes Mal?”

Sein kantiges Gesicht dreht sich langsam über die Schulter, seine Augen, eben noch zu Schlitzen verengt, werden plötzlich groß.

„Hey, dich kenn ich. Du bist die Nachrichtentante.”

Das Kichern bringt seinen spitzen Adamsapfel zum Beben und Ceta ärgert sich über sich selbst. Na klar, draußen hat sich einer vor die Bahn geworfen, weiß sie doch, das passiert ständig. Hat sie selbst schon drüber berichtet oder besser gesagt: die Berichte vorgelesen, denn mehr tut sie nicht in ihrer Nachrichtensendung. Texte vorlesen, die andere ihr geschrieben haben, 24 Stunden am Stück. Aber bisher hat sie das Glück gehabt, es nicht selbst erleben zu müssen, diese Loner-Attacken, die ständig die Stadt lahmlegen.

„Wie lange dauert das?“, platzt es aus ihr heraus, viel lauter, als sie es beabsichtigt hat. „Ich… ich muss zur Arbeit.”

„Kein Grund überheblich zu werden, Kleine. Wir alle haben’s eilig. Jede Minute, die wir hier festhängen, geht von meiner Trainingszeit hab. Immer um Mitternacht drei Stunden High Power Training, erst eine Stunde Cardio, dann Kraft, dann noch einmal Cardio.”

Er flext seinen Arm, hält ihn ihr unter die Nase. Plötzlich verdunkeln sich die Fensterscheiben der Bahn, spiegeln das Innere des Waggons wider. Die anderen Fahrgäste, ihr eigenes, erschrockenes Gesicht.

„Was ist das?”

„Besser so. Die Sauerei da draußen willst du nicht sehen.”

In der Spiegelung verschwinden alle anderen. Nur sie bleibt zurück, ihr mühsam zurecht gerücktes Ceta-Gesicht: platinblonde Haare. Hohe Wangenknochen, die Stirn glatt - nein, nicht ganz - die Zornesfalte auf der Nasenwurzel zeichnet sich ab, schon wieder. Sie streicht mit dem Daumen darüber, wie hat sie das eben übersehen können, als sie ihren ihrem Kubus verlassen hat? Doch bevor sie es noch einmal kontrollieren kann, erwacht ihr Spiegelbild zum Eigenleben. Es lächelt ihr zu, ohne Falte. Dreht sich um und läuft los. Die Kameradrohne folgt ihrem Spiegel-Avatar, fliegt hinweg über eine Allee aus Palmen, durch deren Blätter das Sonnenlicht glitzert.

„Eurika”, sagt eine Frauenstimme aus dem Off. „Eine Stadt, in der jeder alles erreichen kann: Erfolg, Gesundheit, Spaß. Die perfekte Stadt für ein perfektes Leben. Für perfekte Menschen. Wir haben das geschaffen. Und du bist ein Teil davon! Du bist Eurika!”

Schnitt. Ihr Gesicht ganz nah. Den Kopf in den Nacken gelegt, den schlanken Hals gereckt, lacht sie sich zu. Eine Frau, der alles gelingen wird. Wunderschön. Erfolgreich. Sie lacht zurück, streicht mit den Fingern über ihre Kehle, tastet die Kuhle zwischen den Schlüsselbeinen.

Der Sportler neben ihr reckt die Brust und streicht sich durchs Haar. Genau wie sie sieht auch er sich selbst in den Scheiben. Jeder im Waggon bekommt sein eigenes Gesicht zu sehen. Sein perfektes Selbst. Seinen eigenen Film. Personalisierte Werbung. Danach verwandelten sich die Scheiben zurück in Fenster, zeigen wieder das Jetzt und Hier. Durch die Lüftung dringt ein süßlicher Geruch. Verbranntes Fett, nein, verbranntes Fleisch.

“Großartig!” Der Sportler hebt die Faust in die Höhe. “Die neuen Flammenwerfer. Die erhitzen sich auf fast 500 Grad! Wahnsinnstechnik. Dauert nur knapp fünf Minuten, bis das Ganze weg ist. Beim letzten Springer hab ich anderthalb Stunden in der Bahn festgesteckt.”

Ceta checkt die Uhrzeit auf ihrem Visor, rechts oben in ihrem Blickfeld erschienen die Ziffern: 23:17

Knapp, richtig tight wird es, aber noch kann sie es schaffen. Gerade noch rechtzeitig zur Sendung.

“Diese verdammten Loner!” Der Sportler schiebt sein Kinn nach vorne, es mahlt vor und zurück, wie eine klemmende Schublade. Er stellt sich auf die Zehenspitzen und schaut über die Passagiere hinweg in das hintere Zugabteil.

“Da sitzt schon der nächste.”

Sie hat ihn auch schon gesehen, vorhin beim Einsteigen, aber da hat sie schnell weggeschaut. Jetzt betrachtet sie ihn sich genauer. Ein schlaksiger Kerl, in sich zusammengesunken, schlechte Haut, strähnige Haare. Das Hemd offen. Dicke, grell rote Narben quer über seiner Brust. Was ist das? Ihr Magen hebt sich, sie hält die Hand vor den Mund und trotzdem kann sie den Blick auf einmal mehr von ihm abwenden. Mit geröteten Augen starrt er ins Leere, durch all die Menschen hindurch, als seien sie gar nicht da. Wahrscheinlich sitzt er schon seit Stunden auf diesem Platz. Typisch für diese Loner, sie sitzen in den Metrowagen und lassen sich durch die unterirdischen Adern der Stadt spülen. Bis sie irgendwann beschließen, diese Adern zu verklumpen, den Herzschlag der Stadt zu stoppen. Mit ihrem eigenen Leben alles zum Stillstand zu bringen.

„Na Freundchen, bist du jetzt zufrieden?”

Der Sportler drängt sich durch die Menschenmenge, zu dem Loner, beugt sich hinunter und spuckt ihm die Worte ins Gesicht.

„Jetzt kommen wir alle zu spät. Aber euch ist das natürlich egal, ihr nutzlosen, dreckigen Faulenzern.”

Er streckt seinen Arm aus - wird er ihn packen? Ihn aus der Bahn werfen? - nein, er stupst ihn nur mit dem Zeigefinger, wieder und wieder, an die Schulter. Solange, bis der Loner endlich seinen Kopf hebt und ihm in die Augen blickt.

„Uns ist egal, was ihr mit eurem verpfuschten Leben anfangt”, zischt der Sportler und alle anderen um ihn herum nicken zustimmend bei jedem Wort. „Ertränkt euch im Meer, schneidet euch die Pulsadern auf, lasst euch von Mülllastern überrollen. Aber stehlt uns nicht unsere Zeit, verdammt noch mal!”

„Ich komme nun schon zum dritten Mal zu spät in dieser Woche”, schrillt von hinten eine Stimme. „Gut, dass es jetzt diese HCs gibt. Dann sind es immerhin nur ein paar Minuten und nicht eine halbe Stunde.“

„Was wollt ihr eigentlich?” ruft eine andere. “Seid dankbar, dass ihr in solch einer Stadt leben dürft.”

Die Augen des Loners beginnen zu flackern, als hätte sich darin plötzlich ein Feuer entzündet. Er sieht sich um wie ein umzingeltes Tier. Die Rufe werden lauter. Der ganze Wagen brüllt auf ihn ein. Seine Lippen bewegen sich, aber es kommt kein Laut. Plötzlich entdeckt er Ceta, sieht ihr direkt ins Gesicht, mit seinen waidwunden Augen, sein Blick bleibt an ihr hängen und trifft sie so unerwartet, dass sie schaudert. Langsam, ganz langsam, schüttelt er den Kopf, eine Antwort auf eine Frage, von der sie nicht wusste, dass sie sie gestellt hat.

Du weißt nichts über mich.

Er springt auf, zwängt sich durch die Passagiere, die zurückweichen, auf keinen Fall von ihm berührt werden wollen. Er packt den Hebel der Notöffnung und drückt ihn hinunter. Als die Tür sich öffnet, dringt der ranzige Brandgeruch mit voller Wucht in den Wagen. Ceta hält sich Augen und Nase zu.

„Ihr seid keine Menschen mehr!” hört sie den Loner schreien, dann ist er verschwunden und die Tür schließt sich wieder mit einem leisen Surren.

Etwas steckt in Cetas Hals fest. Ein Klumpen. Sie schluckt und es rutscht herab, bleibt in ihrem Brustkorb hängen und schmerzt so sehr, dass sie mit dem Handballen darüber reibt, um den Druck zu lindern. Doch dieses seltsame, neue Gefühl presst und brennt. Als könnte alles aus ihr heraus und alles zu ihr durchdringen. Auf einmal scheint es ihr, als hörte sie jedes einzelne Herz schlagen. Und am lautesten das Herz dieses Loners. Wird auch er sein Leben wegwerfen? Sich in das Getriebe der Welt, das er nicht stoppen kann. Das weiter läuft, immer weiter. 24 Stunden, sieben Tage lang, bis in alle Ewigkeit.

„Ein weißeres Lächeln!"

Als sie aussteigt, wartet ihr Werbe-Gesicht wieder auf sie, redet auf sie ein.

„Vergiss nicht, dein Lächeln ist deine Visitenkarte.“

Ihre Zahnreihe, überdimensional vergrößert auf den Bildschirmen. Ein Schriftzug: Magic Bleach. Ihre Zunge reibt über die Schneidezähne und glaubt, den gelblichen Belag zu schmecken. Sie scannt den Code, ein Termin für Dental-Bleaching. In dem Moment vibriert ihr Handgelenk. Ohne zu stoppen, nimmt sie den Anruf an und die Stimme der Regisseurin schneidet in ihr Ohr.

„Wo zur Hölle bist du? Wir haben Cayla als Back-up vorbereitet. Wenn du nicht in fünf Minuten da bist, übernimmt sie – und zwar für immer.”

„Ich bin sofort da.”

Sie kann es noch schaffen. Vorbei an den blinkenden Bildschirmen und tanzenden Werbetafeln. Nicht ablenken lassen.

Nur das Beste für Deinen Körper

Wecke den Star in dir

Dein schlankes Ich wartet auf dich

Ihr Rock verrutscht. Sie zieht ihn zurecht, betastet ihre Hüfte. Hat sie zugenommen? Der Loner vorhin ist so dünn gewesen. Wie macht er das? Und warum denkt sie so etwas absurdes? Stopp. Fokus.

„Notiz: Ernährungsplan überarbeiten. Priorität: hoch.”

Schönheit ist zeitlos

Perfektion ist Ewigkeit

Cayla, ausgerechnet. Gerade mal zwei Monate im Sender, aber von Anfang an auf ihren Job aus. Das hat sie sofort gespürt, gleich beim ersten Mal, als sie ihr mit hündischer Unterwürfigkeit die Hand zur Begrüßung hingehalten hat. Und jetzt sitzt sie auf ihrem Platz. Was, wenn sie ihren Job verliert? Was würde dann aus ihr werden? Auch ein Loner?

Nein! Das wird nicht passieren. Reiß dich zusammen. Spann den Bauch an. Schau gerade aus. 23:33 Uhr.

Endlich sieht sie den MaxTower durch das Glasdach der Passage. Der Monitor von News 24/7 streut sein Licht über das Glasdach. Die Spitze des Turms verliert sich im Himmel, sein Ende ist nicht zu sehen. 240 Stockwerke. Das höchste Gebäude aller Zeiten.

„Möchten Sie unsterblich sein?“ Ein Mann in weißem Anzug stellt sich ihr in den Weg. Sein Grinsen einbetoniert im glatt rasierten Gesicht. Er streckt ihr seine Hand entgegen, darin eine digitale Broschüre. Rechts und links von ihm stehen zwei Frauen, beide mit glatten, weißblonden, hüftlangen Haaren. Nackt, bis auf zwei weiße Streifen Stoff, die Brüste und Scham verdecken. Ihre Haut ist cremeweiß. Sie sehen aus, als würden sie von innen leuchten.

„Die nächste Stufe“, sagt der Mann laut und es schallt durch die Passage. Cetas Blick fällt auf die Broschüre, darauf sieht sie ihr Gesicht - auf ihrer Stirn erscheint ein silbernes Zeichen, eine gekippte Acht - und darüber der Schriftzug ETERNISMUS. Das Gesicht ihres Avatars wird blau. Auf der Haut wachsen Eiskristalle. „Wenn Sie heute beitreten, bekommen Sie unser einzigartiges Konzept CryoYou zum halben Preis.”

Sich einfrieren lassen?”

„Bis die Menschheit unsterblich geworden ist. Wir stehen so kurz davor. Wir haben schon alles erreicht und das ist die nächste Stufe.”

„Ich habe keine Zeit, ich muss…”

„Mit CryoYou haben Sie alle Zeit der Welt. Mit CryoYou gehört ihnen die Ewigkeit.“

23:38 Uhr. Cayla. Die Sendung. Die Ewigkeit muss warten. Vorne am Tower öffnet sich die Aufzugtür. Ceta drängt sich an dem Mann vorbei und springt hinein. Sie hält ihr Handgelenk an den Scanner, die 240 leuchtete auf, aktiviert den Prio-Modus, keine Stopps mehr bis nach oben. Ganz nach oben. Die Fahrstuhl-Kabine rast los, für einen Moment wird ihr flau, doch sie fängt sich sofort wieder. Sobald sich die Fahrstuhltür öffnet, quetscht sie sich durch und rennt zum Studio. Über der Tür blinkt schon der Countdown. Nur noch achtzehn Minuten bis zur Sendung. Durch das runde Glasfenster sieht sie Cayla - sie sitzt auf dem türkisfarbenen Sofa, IHREM Sofa, und starrt geradeaus in die Kamera, Lächeln eingefroren, Rücken kerzengerade. Sie dreht sich nicht einmal um, als Ceta hineinstürmt. Nur ihr rechtes Auge zuckt.

„Raus!”

„Ach Ceta, da bist du…“

Widerwillig räumt sie den Platz. Ceta gab ihr einen kleinen Schubser Richtung Tür. Dann ist sie endlich allein im Studio, endlich auf ihrem Sofa, umringt von fünf automatischen Kameras an langen Roboterarmen. Sie hat es geschafft.

„Regie für Studio”, raunt sie ins Mikro. „Briefing bitte.”

„Wird aber auch Zeit“, sagt die Regisseurin über das Headset. Der Redakteur liest die Themen vor.

„Einstieg in die Sendestrecke ist das Gespräch mit dem City-Manager. Es geht unter anderem um die Massensuizide bei den Lonern.”

„Wie passend!”

„Was?”

“Nichts.“

Sie schlägt die Beine übereinander. Kontrolliert ihr Aussehen auf dem Monitor. Jetzt hier im Studiolicht gefällt sie sich wieder. Fast so gut wie ihr Werbe-Avatar. Die platinblonden Haare passen perfekt zum Türkis, an der Wand strahlt der 24/7 Schriftzug, als würde hinter ihr die Sonne aufgehen. Gleich wird sie überall auf den Bildschirmen der Stadt zu sehen sein, auf digitalen Plakaten, Großleinwänden, Litfaßsäulen. Auf Smart-TVs und Visors. Sie wird die Menschen durch ihren Tag begleiten, 24 Stunden lang als Gesicht von MaxNews 24/7.

Das Rotlicht geht an. Der Prompter-Text erscheint. Die Kameras fahren auf sie zu.

„Ein neuer Tag liegt vor uns, voller Gelegenheiten, die es zu ergreifen gilt. Ich sage euch, wie ihr das Beste daraus macht.”

Auf dem Gesprächsmonitor erscheint der City-Manager.

„Mir zugeschaltet ist nun Carl vom Management der Stadt. Carl, es heißt, ihr habt endlich die Lösung für das Loner-Problem?”

„In Eurika gibt es keine Probleme, es gibt Herausforderungen. Und bei dieser speziellen Herausforderung hilft uns ab sofort der HyperCremator, kurz HC.”

“Und wie funktioniert dieser Hyper…?”

“Sehr gute Frage, vielen Dank dafür, Ceta. Ich habe eine Animation mitgebracht, die die Funktionsweise verdeutlicht.”

Da, wo zuvor Carls Gesicht war, erscheint eine Animation. Eine U-Bahn fährt ein, gefilmt von schräg oben. Ein Comic-Männchen springt davor. Rote Blitze, die Bahn steht, das Männchen liegt davor mit zwei X anstelle der Augen. Plötzlich dieser Geruch, süßlich und ranzig. Das Strichmännchen auf den Schienen hat plötzlich einen echten Kopf, ein echtes Gesicht. Das Gesicht des Loners. Er wird von Flammen gefressen, bis nichts mehr übrig ist als ein Aschehäuflein.

Ceta blinzelt, doch es hilft nichts. Carls Stimme ist nur noch ein Dröhnen in weiter Ferne.

Plötzlich brennt da wieder dieses Gefühl. Dieser Druck in der Brust. Der Schmerz. Ihr wird schwindlig.

“Schnell, effizient und kostengünstig.”

Carl ist zurück auf dem Schirm. Seine Stimme dringt wieder zu ihr durch.

“Dieser HC“, hört sie sich selbst sagen. „Der verbrennt also die Menschen…?”

“Er beseitigt ein Hindernis.”

“Den Mensch auf den Schienen?”

Sie weiß nicht, woher ihre Frage kommt. Es ist unprofessionell, sie stammelt und stottere, spricht zu leise und kann den Blick in die Kamera nicht mehr halten. Auf dem Bildschirm rutscht Carl hin und her. Auch er merkt, dass etwas mit ihr nicht stimmt.

“Das sind keine Menschen, das sind Loner, tote Loner“, sagt er und seine Stimme klingt plötzlich harsch. „Loner, unbedingt sterben wollen. Wenn der HC zum Einsatz kommt, existieren die nicht mehr. Das, was wir vernichten, ist nur noch Biomasse, ein Hindernis im Betriebsablauf.”

“Aber…”

„Werbung!“ brüllt die Regisseurin in Cetas Ohr und auf dem Bildschirm rast das MaxNews-Logo auf sie zu und direkt wieder weg, macht Platz für den Mann im weißen Anzug, der ihr die Hand reicht, ihren Avatar mitnimmt in eine weiße Wolkenwelt, in die Ewigkeit, die er ihr eben in der Passage versprochen hat.

„Reiß dich zusammen!“ Die Stimme der Regisseurin reißt Ceta heraus, keine Ewigkeit für sie, noch nicht. Was ist nur los mit ihr? Ihre Schicht hat gerade erst begonnen, 24 Stunden muss sie durchhalten. Keine Aussetzer mehr.

Es geht weiter. Carls Visor blinkt, für eine Sekunde schielen seine Pupillen nach links oben. Dann holt er tief Luft.

“Ceta, soweit ich informiert bin, durften Sie heute Morgen selbst Zeugin eines HC-Einsatzes werden.”

“Ja.”

“Und hätte es den nicht gegeben, würden wir Sie jetzt nicht auf MaxNews sehen, richtig?”

“Richtig.”

“Wieso stellen Sie mir dann nicht die richtigen Fragen? Wieviel Zeit wird durch den Einsatz des HC eingespart? Wie wirkt sich das auf den Metro-Betrieb insgesamt aus? Wir hatten eine katastrophale Verspätungsbilanz in den vergangenen Wochen. Das ist es doch, worum es hier geht.”

Sie denkt an ihren Sprint durch die Passage. An den Anruf der Regisseurin. Wie sie sich abgehetzt hat. Cayla auf dem Sofa. Wie schnell das geht. Dass man selbst nicht mehr existiert. Zur Seite geschoben wird. Was hat sie sich nur dabei gedacht? Das Gespräch ist ihr völlig entglitten. Sie presst die Augen zusammen. Keine Bilder mehr. Nicht nachdenken. Nichts fühlen. Sitze aufrecht. Kinn nach oben. Blick gerade aus. Schau nach vorne, nicht zurück.

Sie muss funktionieren, wenn sie die nächste Stufe erreichen will.

Wettbewerbsgeschichte: Die nächste Stufe - Schlussbild

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