Ein Hot Dog bei Hanks Franks in Nebraska
Die Störungen des Videosignals verschwanden und das Display des mobilen Kommunikators zeigte Major Falks mürrisches, stets puterrotes Gesicht samt seiner mit Orden dekorierten Brust.
„Sergeant Dale Hackett“, Falks Gesichtszüge zogen sich zusammen, als hätte er in eine Zitrone gebissen. „Sie kontaktieren mich direkt aus dem gegnerischen Feld! Wenn Sie dafür keinen gravierenden Grund haben, hänge ich Ihnen ein Disziplinarverfahren an den Hals! Ist Ihnen das klar?“
„Major Falk, den verdammten Grund werde ich Ihnen umgehend nennen!“, Hackett spuckte die Worte förmlich gegen den Bildschirm. Ein Knall in weiter Ferne ließ ihn noch ein Stück tiefer in die Hocke gehen.
„Ich hänge hier zusammen mit Private Quast in einem verdammten Mauseloch von Stellung! Noch knapp fünf Meilen bis zum Bestimmungsort. Eigentlich kein Problem, wenn uns die vier Kampfroboter, die mir als Squad zugestellt worden sind, den Arsch absichern würden. Aber mit den Dingern stimmt was nicht! ComBot-Charlie hat vorhin bei feindlichem Beschuss vor einer Betonwand Deckung gesucht!“
„Das halte ich für eine korrekte Taktik“, Falk faltete die Hände und legte die Daumen gegen sein Kinn.
„ComBot-Charlie hat die Deckung auf der beschossenen Seite gesucht! Das ist doch nicht normal!“, Hacketts Stimme war um eine Oktave gestiegen. „Die haben Charlie regelrecht pulverisiert! Verdammt, Major Falk, was ist mit diesen Combat-Robotern los?“
Der Major kniff die Lippen zusammen und schob sich ein Stück von der Kamera zurück. „Zugegeben, da gibt es ein kleines Problem.“
„Bitte? Was für ein Problem?“ Hackett schob seine Nase beinahe bis an das Display heran.
Falk strich sich über das rasierte Kinn. „Tja, wie soll ich sagen? Aus einem internen Dossier geht hervor, dass eine Hackergruppe, bestehend aus feindlichen KI-Agenten, die Daten dieser Modelle korrumpiert hat.“
Hackett fletschte die Zähne. „Wie zur Hölle konnte das passieren? So etwas wird doch zigfach überprüft?“
„Nun Sergeant, die Hacker sind ziemlich raffiniert vorgegangen. Sie haben die Daten, mit denen das Sprachmodell dieser Roboter trainiert wurde, verfälscht. Bei der Riesenmenge an Daten, die man dafür braucht, ist das niemandem aufgefallen.“
Der Sergeant umgriff mit beiden Händen den Kommunikator, als wolle er dem Abbild des Majors an die Gurgel gehen. „Was, zum Henker, heißt das genau?“
Der Major schüttelte den Zeigefinger. „Machen Sie sich keine unnötigen Sorgen, Sergeant. Die Freund-Feind-Erkennung der Modelle funktioniert. Genauso wie die militärische Variante der Asimovschen Robotergesetze. Diese Regeln sind, wie sagte man früher so schön, hart verdrahtet. Die Roboter werden Ihnen also nicht in den Rücken schießen. Lediglich die Interpretation ihrer Umgebung funktioniert bei den Modellen nicht ganz korrekt“, den letzten Satz flötete Falk beinahe.
Eine Detonation, ziemlich in der Nähe, riss den Sergeant fast von den Füßen, Dreck spritze gegen das Display, vor ihm rollte der Schädel eines Kampfroboters über das Gelände. „Bei allen Höllenhunden, Private Quast! Was ist nun schon wieder passiert?“
„Ich glaube, Sergeant, ComBot-Delta hat soeben eine Kamikazedrohne, die sich auf seine Schulter setzte, mit einem harmlosen Spatzen verwechselt.“ Quast war bemüht, seine Stimme milde klingen zu lassen.
„Hören Sie, Sergeant Hackett. Der Maulwurf muss ins Ziel gebracht werden“, dröhnte Falks Stimme aus dem Kommunikator. „Wir müssen die feindliche Drohnenproduktion um jeden Preis stoppen. Sonst sind wir alle erledigt. Haben Sie mich verstanden, Sergeant?“
Hackett fuhr sich mit den Händen durchs Gesicht und schnaubte. „Das wird unter diesen Umständen ein Himmelfahrtskommando. Das ist Ihnen doch klar, Major Falk?“
Falks Gesichtszüge verrieten, dass ihn das Thema nicht weiter interessierte. „Ich wünsche Ihnen bei Ihrer Mission viel Glück“, er hob die Hand zum militärischen Gruß, dann wurde das Display dunkel.
Hackett hieb mit der Faust auf den Kommunikator und drehte sich um zu Private Quast. „Jetzt habe ich auch begriffen, warum Sie zu mir abkommandiert wurden. Wir müssen die Sprengung von Hand vornehmen. Schnappen Sie sich also den Rucksack, Private, und los geht’s.“
Wesley Quast, dessen hagere Gestalt einem Fragezeichen ähnelte, klopfte sich die verschmorten Plastikreste von ComBot-Delta vom Kragen und wuchtete sich den olivfarbenen Rucksack auf die Schultern. Das Gewicht presste Quasts schmächtige Gestalt ein Stück weiter in sich zusammen. „Entschuldigung Sir, könnte nicht vielleicht einer der Kampfroboter den Maulwurf ein Stück tragen?“
Hackett biss die Packung eines Müsliriegels auf und spuckte ein Stück Kunststoff aus. „Sind Sie irre, Private? Die Blechkerle taugen höchstens dazu, die Umgebung zu sichern.“ Sein linker Arm schoss zackig nach vorne. „Diese Richtung, Private Quast. Marsch.“
Die beiden Soldaten pirschten durch die leicht hügelige Landschaft, flankiert von den letzten beiden Robotern, die ihre auf den Schultern sitzenden Doppelrohr-Waffensysteme ins Gelände gerichtet hatten. Mit ihren kantigen Schultern, den langen Armen und optisch zu kurz geratenen Beinen, die ihnen einen erstaunlich stabilen Gang im Gelände ermöglichten, wirkten die etwa zwei Meter großen humanoiden Kampfroboter nicht gerade elegant, sondern eher so, als hätte man bei deren Konstruktion Kompromisse machen müssen. Die letzten dreieinhalb Meilen hatte sich der Trupp von Wegpunkt zu Wegpunkt gearbeitet, ohne auf Widerstand gestoßen zu sein. In Hackett breitete sich die Hoffnung aus, dass sie es schaffen könnten. Quast keuchte zwar unter der Last des Maulwurfs, trug das Päckchen aber ohne Murren weiter. Neben dem Private stapfte ComBot-Alpha mit immer gleichen mechanischen Schritten.
„Darf ich Ihnen eine Frage stellen, ComBot-Alpha?“
„Selbstverständlich, Private“, antwortete der Roboter, während sein kamerabestückter Kopf weiter die Umgebung sondierte.
„Haben Sie eigentlich Schmerzen, wenn Sie beschädigt werden?“
„Negativ Private. Ich registriere die Schäden und leite Gegenmaßnahmen ein.“
Quast nickte. „Wissen Sie, Alpha, das klingt ziemlich nach dem Sergeant.“
Alpha schwieg einen Moment. „Dann sind der Sergeant und ich uns sehr ähnlich, Private.“
„Das“, erwiderte Quast, „würde ich ihm gegenüber nicht erwähnen.“
Sie erreichten das Areal einer zerstörten Industrieanlage, deren rußgeschwärzte Betonsäulen wie das Skelett eines riesenhaften Tiers in den Himmel ragten. Mühsam mussten sie sich einen Weg um das eingestürzte Hallendach bahnen, doch immerhin boten die über das Gelände verstreuten Trümmer und Steinwälle Schutz vor feindlicher Bedrohung. Ein stetig zunehmendes Surren ließ den Sergeant in die Hocke gehen. „Achtung!“
Kaum hatte der Sergeant seine Warnung ausgesprochen, hatte ComBot-Alpha die anfliegende Drohne mit einem gezielten Schuss vom Himmel geholt.
„Respekt, Alpha. Gut reagiert.“ Hackett richtete sich auf und stemmte die Hände in die Hüften. „Anscheinend sind einige von euch doch zu gebrauchen.“
Ein Pfeifen über seinem Kopf ließ ihn erneut zusammenzucken. „Achtung! Deckung nehmen!“, polterte der Sergeant. Er und der Private fanden beinahe zeitgleich hinter einer Steinwand Schutz. ComBot-Bravo hatte sich in eine Betonröhre zurückgezogen, während ComBot-Alpha ein Stück Mauer aus einem Schutthaufen zerrte und das Mauerstück vor sich auf den Armen balancierte.
„Was zum Teufel machen Sie da, Alpha?“, plärrte Hackett aus seinem Schutz heraus und richtete sich den Helm.
„Ich nehme die Deckung auf, wie Sie es befohlen haben, Sir“, schnarrte der Roboter.
„Du meine Güte! Alpha, Sie sollen nicht die Schuttteile aufnehmen, sondern vor der feindlichen Attacke in Sicherheit gehen!“, der Sergeant schlug mit der flachen Hand auf seinen Kopfschutz.
„Verstehe. Korrigiere Anweisung, Sir“, waren die letzten Worte des Roboters. Eine feindliche Drohne verwandelte den künstlichen Kameraden in einen Regen aus glühenden Metallsplittern.
Aus der Betonröhre heraus erwiderte ComBot-Bravo das Feuer.
„Feuer einstellen, Bravo. Die Drohne ist längst pulverisiert.“ Hackett erhob sich aus seiner Stellung und klopfte sich den Staub von seinem Kampfanzug. Auch Quast erhob sich, keuchte und drückte sich die Hände gegen die Knie.
ComBot-Bravo trat aus seiner Deckung heraus und aktivierte seine eingebaute Löschvorrichtung. Blauer Schaum spritzte auf die noch brennenden Überreste von ComBot-Alpha.
„In drei Teufels Namen! Was wird das, Bravo?“ Hackett hob den linken Arm vors Gesicht, um sich vor den Spritzern zu schützen.
„Ich stelle das Feuer ein, wie befohlen, Sir.“
„Damit war gemeint, dass Sie mit dem Schießen aufhören, Bravo“, der Sergeant drückte sich die Hand gegen die Stirn.
„Verstehe. Korrigiere Anweisung, Sir.“ Der Schaum aus der Löschvorrichtung des Roboters stoppte.
„Sir?“
„Was gibt es noch, Bravo?“
„Darf ich Ihnen eine persönliche Frage stellen?“
Hackett nahm sich einen weiteren Müsliriegel aus seinem Gepäck und biss die Packung auf. „Wenn es unbedingt sein muss.“
„Hatten Sie eben Angst?“
Hackett sah den Roboter an, während er in seinen Riegel biss. „Wie kommen Sie darauf, Bravo?“
„Meine Sensoren registrierten eben erhöhten Herzschlag, Schweißbildung und eine verkürzte Reaktionszeit bei Ihnen. Ich interpretiere das als Angst.“
„Dann interpretieren Sie falsch. Ich war lediglich konzentriert bei der Sache, Bravo.“
„Verstehe, Sir. Und worin besteht der Unterschied?“
Hackett schob sich den Rest des Riegels in den Mund. „Der Unterschied, ComBot Bravo, besteht darin, dass ich nicht vor dem Feind weglaufe, sondern weiterkämpfe.“
Eine kurze Pause entstand. „Das tue ich auch, Sir.“
Hackett warf die leere Verpackung weg und richtete sich auf. „Sie tun es nur, weil ich es Ihnen befehle. Und jetzt vorwärts Marsch, Bravo.“
Der Trupp marschierte weiter und stieß hinter der Industrieanlage auf die sanften Hügel einer weitläufigen Graslandschaft. Die nächste Anhöhe schien etwa eine halbe Meile entfernt zu sein.
Der Sergeant stellte sich breitbeinig neben den Kampfroboter und schaute durch den Feldstecher. „Nichts als freie Fläche vor uns, ComBot-Bravo. Ich möchte meinen Arsch drauf verwetten, wenn da nicht eine nette Falle auf uns wartet.“
„Wenn Sie möchten, kann ich eine Risikoanalyse durchführen, Sir“, schnarrte der Roboter und an seinem Kopf blinkte für einige Sekunden eine rote Leuchtdiode auf. „Nach Auswertung der mir zur Verfügung stehenden Daten halte ich es für die sicherste Option, die Mission umgehend abzubrechen, stattdessen einen Hot Dog bei Hanks Franks, einem Imbissstand in Nebraska, zu erwerben und auf Verstärkung zu warten.“
Private Quast, der mit gebeugtem Oberkörper sich neben Hackett gestellt hatte, prustete vor Lachen. Unter der schweren Last auf seinem Rücken schlotterte er am ganzen Leib. „Einen Hot Dog an einem Imbissstand in Nebraska erwerben? So einen Quatsch habe ich ja noch nie gehört!“
„Das hat seinen Grund, Private. Dreiundachtzig Prozent der Internet-Bewertungen meiner Trainingsdaten halten Hanks Franks Imbissstand für ausgesprochen empfehlenswert“, erklärte ComBot-Bravo.
Hackett warf Quast einen bösen Blick zu. „Abgesehen davon, dass Nebraska über einhundert Meilen nördlich von uns liegt, bewerte ich Ihren Vorschlag negativ, Bravo.“
Erneut legte der Sergeant den Feldstecher an seine Augen. „Wir haben mehrere hundert Yard freies Feld vor uns. Wie sieht es mit Minen aus, Bravo? Berechnen Sie die optimale Route bis hoch zur Anhöhe.“
„Gerne, Sir. Für diese Berechnung kann ich auf kürzlich aktualisierte militärische Kartendaten zurückgreifen.“ Es dauerte einen Moment, bis der Kampfroboter meldete: „Ich habe die für uns sicherste Route ausgearbeitet.“
„Super, ComBot-Bravo. Sie dürfen vorausgehen“, mit einer gespielten, freundlichen Geste deutete Hackett ins Gelände. Sofort schritt der Kampfroboter mit mechanischen Bewegungen voran, Sergeant Hackett und Private Quast folgten in ausreichendem Abstand.
Die Detonation etwa dreißig Sekunden später gab Hackett zu verstehen, dass auf den militärischen Kartendaten von ComBot-Bravo kein Verlass war. Mit eingezogenem Kopf schauten die beiden Soldaten zu, wie die glühenden Teile ihres letzten Kampfroboters vom Himmel regneten.
„Okay, Private Quast. Ehrlich, damit hatte ich gerechnet. Ich denke, wir machen das am besten auf die alte Tour und ich verlasse mich auf meinen Instinkt.“
Von Hackett angeführt, der die verscharrten Sprengfallen offenbar aus fünf Yards Entfernung riechen konnte, bewegten sich die beiden Soldaten mit erstaunlicher Sicherheit über das freie Feld, bis sie schließlich die Anhöhe erreicht hatten.
„Das letzte Stück war fast ein Kinderspiel, was Quast?“, Hackett biss die Packung eines weiteren Müsliriegels auf und schob sich den Riegel zwischen die Zähne.
„Den Maulwurf fünfhundert Yards das Gelände hoch zu schleppen, sehe ich nicht als Kinderspiel an, Sir“, keuchte Quast, dessen Augäpfel ein Stück aus seinem Schädel hervorgetreten waren.
„Nun stellen Sie sich nicht so an, Quast. Hinter den Bäumen sind wir quasi am Ziel.“ Der Sergeant gab dem Private einen Klaps auf die Schulter.
Sie schritten durch das Wäldchen und erreichten bald darauf eine Lichtung.
„Okay, Quast. Wir sind da.“ Hackett stellte sich an den Rand der Lichtung und legte die Daumen auf seine Koppelschnalle. „Die Dark Factory befindet sich genau unter uns. Lassen Sie unseren Maulwurf endlich aus dem Sack, Private.“
Unter Stöhnen löste Quast den Rucksack von seinen Schultern. Er wischte sich mit dem Ärmel über die verschwitzte Stirn, öffnete den Sack und entnahm daraus einen Roboter, der Ähnlichkeit mit einem schmalen Torpedo hatte. Der Private griff erneut in den Rucksack und holte daraus eine spiralartige Schaufel hervor, die er zentral in den Roboter einrasten ließ. Dann setzte er die Maschine mit dem spiralförmigen Schnabel in den Boden.
„Alles bereit, Sir.“
Der Sergeant nahm den rechten Daumen vom Koppelzeug und richtete ihn nach oben. Erneut spritzte Dreck in die Höhe und mit einem surrenden Geräusch verschwand der Maulwurf unterhalb der Grasnarbe.
„Unsere Mission ist hiermit erfüllt, Private.“ Hackett legte den Daumen erneut auf die Koppelschnalle. „Gut Arbeit, Quast. Lass uns den Rückzug antreten.“
Die beiden Soldaten nahmen den gleichen Weg durch den Wald zurück, den sie gekommen waren. Kaum hatte der Sergeant die ersten Schritte über das freie Gelände gemacht, blieb er so abrupt stehen, dass der Private, der hinter ihm ging, beinahe in ihn hineingelaufen wäre.
„Haben Sie das auch gehört, Quast? Hinter uns haben Äste geknackt!“
Mit geweiteten Augen drehte Hackett sich zum Waldrand und sein Puls beschleunigte sich augenblicklich. Vier feindliche Kampfroboter erschienen unterhalb der Baumkronen und schritten auf sie zu. Die feindlichen Roboter waren gedrungener als ihre ComBot-Modelle, verfügten dafür aber über die neuartigen Dreirohr-Waffenanlagen des Gegners.
„Okay, das war es dann, Quast. Schade, ich dachte, wir würden es wirklich noch schaffen“, mit verbissener Miene reichte Hackett dem Private seine Hand.
„Es war mir eine Ehre, Sir“, schluchzte Quast und schüttelte die Hand des Sergeants.
Hackett rührte sich nicht. Er hörte jeden einzelnen Schlag seines Herzens im Hals pochen. Doch die Waffensysteme der Roboter schwiegen.
Einer der vier Roboter trat bis auf wenige Yards an die Soldaten heran. „Entschuldigen Sie, Sir“, schnarrte die Kampfmaschine. Die beiden unterschiedlich großen Kameras in seinem metallenen Schädel richteten sich auf Hackett aus. „Könnten Sie uns bitte sagen, in welcher Richtung Nebraska liegt?“
Der Sergeant unterdrückte den lauten Aufschrei, der ihm im Hals steckte. „Och, das ist nicht schwer“, er deutete in die Richtung der Lichtung, von der sie eben gekommen waren. „Dort entlang. Es ist aber ein gutes Stückchen zu Fuß.“
„Die Strecke ist akzeptabel“, erklärte der Roboter. „Nach einer intern durchgeführten Risikoanalyse und Abwägung aller Möglichkeiten kamen wir zu dem Ergebnis, dass das minimale Risiko zur Durchführung unserer Mission darin besteht, Hanks Franks Hot Dog Stand in Nebraska aufzusuchen.“
„Ich weiß“, Hackett war bemüht, seinen Ton möglichst ruhig klingen zu lassen, während Quast sich fest die Hand vor den Mund presste. „Ich wünsche Ihnen viel Glück.“
„Möge die Leistung eurer Akkus mit Euch sein“, rief Hackett den Robotern nach und schlug sich mit der rechten Faust auf die Brust, doch die Kampfmaschinen waren schon hinter der ersten Baumreihe verschwunden.
Der Private schüttelte die linke Hand, als hätte er sie sich verbrannt. „OiOioi. Ich glaube, Sir, der nächste Krieg wird wieder mit Speeren ausgetragen werden.“
„Durchaus möglich“, sagte der Sergeant und die beiden Soldaten traten gemeinsam den Rückweg an.
„Wissen Sie, was merkwürdig ist, Private?“, im Gehen kniff Hackett ein Auge zu.
„Nein Sir, was denn?“ Quast hob die Augenbrauen.
„Dass der Maulwurf problemlos funktionierte“, brummte Hackett.
„Sagen Sie das nicht zu laut, Sir.“
Quast hob den Zeigefinger seiner Linken und wandte sich zum Sergeant. „Ich glaube, es gibt nur zwei Möglichkeiten, Sir.“
„So? Welche denn, Private?“
„Entweder findet der Maulwurf sein Ziel und es knallt gleich ordentlich hinter uns.“
„Oder?“
„Oder der Maulwurf ist jetzt schon auf dem Weg nach Nebraska.“
Der Private prustete über seinen eigenen Witz, doch vom Sergeant kam keine Reaktion. Quast schaute sich um. Der Sergeant war plötzlich einige Schritte hinter ihm im Laufen stehengeblieben.
„Oh nein, Sir! Sie doch jetzt nicht noch auch!“, winselte der Private und lief zu Hackett zurück. Quast fuhr mit den Händen über dessen starren Körper, der wie im Stehen eingefroren wirkte, als suche er einen Einschaltknopf.
„Wie konnte das denn nur passieren, Sir? Es heißt doch, die neuen bionischen Androiden sind absolut zuverlässig! Und Sir, Sie haben doch die ganze Zeit über ihre Energieriegel gehabt.“
Der Private stöhnte und seine hagere Gestalt glich erneut einem Fragezeichen.
„Was mache ich denn jetzt? Ich finde doch niemals den Weg allein zurück!“ Quast setzte sich zu Hacketts Füßen auf den Boden.
„Am besten ist, ich nehme den Weg des minimalsten Risikos.“ Er knöpfte eine Tasche an seinem Anzug auf, zog sein Navigationsgerät daraus hervor und tippte HANKS FRANKS HOT DOG STAND, NEBRASKA ein.
💬 Kommentare
Um einen Kommentar zu schreiben, musst du angemeldet sein.
Noch keine Kommentare. Sei der erste!